Full text : Der Karlsberg

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Elftes Kapitel.

Weitere Begebenheiten des Tages5 — im Bärenzwinger.

Elsa verbrachte im Schlosse einen Tag der Freude,
alles was sie sah und hörte, war ihr neu und dünkte ihren
Sinnen herrlich, begehrenswert. Der Herzog bat und flehte,
für Augenblicke wallte es zornig in ihm auf, um ihn dann
wieder zur Bewunderung, zur Anbetung der verführerischen
Schönen zu treiben, die ihm nichts gewährte, indem sie Alles
ihn hoffen ließ. Er fügte sich endlich und bequemte sich,
das zu thun, was das schlaue Mädchen für den Augenblick
in ihrer Lage als das Vorteilhafteste erkannt hatte; »r
gestattete, daß Mutter Agnes sie förmlich den filles d'hon—
neur einreihte. Auf diese Weise konnte Elsa ihrem Hang
nach ungebundener Lust, nach Vergnügen und besonders
ihrer Neugier genügen, während der Herzog nur noch gie—
riger auf seine Beute werden mußte. Wie er sich in die
scheinbar lustige Laune des Mädchens gefügt, mußte er sich
nun auch gedulden, doch nahm er seine Maßregeln, um
solchen, ihm bisher unbekannt gebliebenen Widerstand so
bald und so gründlich als möglich zu brechen. Der heutige,
Merkur geweihte Tag, gilt naäch langjährigem Herkommen
dem Spiel, und der Herzog wich ungern von dieser Ordnung
oder Einteilung der Woche ab, deren Aufrechterhaltung
allein im Stande war, eine merkliche Abwechsluͤng in das
üppige Leben auf dem immerhin einsamen Karlsberge zu
bringen. Morgen aber, am Tage Jovis, der hellen rauschen⸗—
den Freuden, würdig eines Fürsten, da sollte der Karlsberg
sein Wunder zeigen. Feste im Freien waren angeordnet,
bunt und prächtig, wie selten solche gefeiert worden, die
bis in die Nacht dauern mußten, und dann — daun durfte
die spröde Schöne auf ihrer Hut sein, wollte sie den Ver—
juch wagen, ihr lustiges doch gefährliches Spiel noch weiter
zu verfolgen.
Vor der Hand dachte Elsa nicht wie der Herzog an
morgen, ste genoß das Heute, und wenn die Genüsse auch
verhältnismäßig harmloser Natur waren, so dünkten sie
dem vergnüngungsfüchtigen Mädchen doch schon über alle
            
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