Full text : Der Karlsberg

1 91*

Abschied nehmen, wie ich mir dies schon fest vorgenommen,
ehe ich Sie heute gesehen. Ich kehre in mein bescheidenes,
doöch freundliches Heim zurück. Und nun noch Eines, Vater
Tümmler! Gestatten Sie mir, sobald ich frei bin, zu Ihnen
auf den Louisenhof zu kommen. Ich bringe Henry mit, mit
meinem Leben bürge ich dafür!“
„Ich danke Ihnen Herr von Altheim, für Ihren Bei—
stiand Uund werde mich freuen, Sie bei uns zu sehen,“ sagte
Tümmler, dem Offizier herzlich die Hand drückend.
„Und Sie — Louise?“
Auf Wiedersehen!“ entgegnete das Mädchen leicht er—
rötend, doch mit einem Blick so lieb und gut, und einem
so freundlich stillen Lächeln, daß dem jungen Manne sich ein
ganzer Himmel öffnen wollte. Sein Auge leuchtete und
hastig ergriff er die Hand des lieblichen Kindes, die er drückte.
aͤls ob er sie für das ganze Leben nicht mehr hätte lassen
wollen.
Tann trennten sie sich. Herr Hans von Altheim schaute
dem Paare, das in Begleitung des dicken Jägers rasch dem
Ausgange der Allee zuͤschritt, noch eine ganze Weile nach,
dann kehrte er langsam in die Kaserne zurück
„Zuerst meine Freiheit,“ sagte er sich, freudig erregt,
„und dann heim! Auch in meinem kleinen Erbe, als einfacher
Bürger meines Landes, kann ich glücklich werden — wenn
Suͤse' an meiner Seite weilt! — Fröhlich Pfalz, Gott
erhalt's!“
Als der Limburger mit dem alten Dümmler und dessen
er bei dem Louisenhof angekommen war, sagte er treu—
erzig:
„Ein Wunder! Wir leben seit Jahren kaum ein halbes
Stündchen entfernt von einander und haben uns doch nie
gesehen. Uebegreiflich! Doch Euer altes Nest liegt auch
in einem verzaͤuberten Walde, durch den weder Weg noch
Steg führt. Kann mir denken weshalb!, Ihr hütet ja einen
Schaͤtz, der jeßt, nachdem Ihr ihn der böfen Welt da drau⸗
hen Fezeigt, biele Nachsteller haben wird. Nichts für un—
qut, Kamerad, Ihr seid zwar ein treuer Hüter, doch nur ein
halber und eine tüchtige Hilfe, meine ich, könnte nichts scha⸗
den Teshalb wird der — Limburger fortan sein Quartier
hier bei Euch aufschlagen, der halbverfallene Schuppen
bort kann genuͤgen, und für die Bequemlichkeit meiner dicken
Person will ich schon sorgen. Dann könnt Ihr in Ruhe
schlafen, und wehe Dem, der es wagen sollte, sie Euch —
ind Euerem wackeren herzlieben Töchterchen zu stören!
Er hätte es mit dem wilden Jäger zu thun!
            
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