1760
mit ihrer hellen Stimme, die nur ein ganz klein wenig
zitterte:
„Der Vater hat auf unsere Landsleute, auf alle wackeren
Pfälzer getrunken. Mein Hoch gilt unserer schönen Heimat:
„Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!“
„Hurrah! — Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!“
Hei, wie der herrliche alte Spruch hinaus in die Lüfte
schallte! Kein Mund war stumm geblieben, selbst die Weiber
in den Schänken jubelten ihn mit. Toch auch manches
Auge war naß dabei geworden, besonders das des dichen
wilden Jägers, dem der vaterländische Ruf fast vor Rühr—
ung in der Kehle stecken geblieben war, weshalb er richtig
die zweite Hälfte hatte verschlucken müssen. Dafür drückte
er jetzt dem Mädchen die Hand in einer Weise, daß dieses
einen unterdrückten Wehschrei, doch mit lächelndem Ge—
ichtchen ausstieß. Man hörte ihn nicht! Der Jubel dauerte
noch immer, der Ruf: „Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!“ schien
sich fortzupflanzen von einem Ort zum andern, von den Ka—
sernen zu den Ställen, denn überall wurde er laut, erfüllte
die Lust mit seinen aus dem Herzen kommenden Freuden—
tönen.
Er drang wohl auch bis ins Schloß, an die Ohren
des Mannes, der ihn hätte Wahrheit werden lassen können,
der ihm aber bis jetzt sein Herz verschlossen hielt. Doch
was vermag Er, der Mächtige von heute, gegen ihn?! G
—DD fort und
fort wird es erschallen aus tausend und tausend Herzen,
bis es volle Wahrheit geworden das herrliche Wort
„Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!“
Wenige Augenblicke später teilte sich die Menge und
Dümmler und sein Kind fsetzten ihren Weg fort. Doch nicht
allein schritten sie die Allee entlang. Herr von Altheim und
Limburger, der wilde Jäger, begleiteten sie.
Als sie die Soldaten vollends im Rücken hatten, hemmte
der junge Offizier seinen Schritt und sagte zu dem Alten.
doch zugleich fich auch an das Mädchen wendend:
„Ich muß umkehren! Was mich betroffen und daß ich
Stubenarrest habe, wußten Sie, doch brauchen Sie nicht zu
bangen, weil ich dienselben gebrochen und Ihnen zu Hilfe
geeilt. — Ich sah Sie von meinem Fenster aus dorüber—
gehen, eilte Ihnen nach und kam, glücklicher Weise noch zur
rechten Zeit, Unheil zu verhüten. Man könnte dies gewiß
als Entschuldigung meines Schrittes gelten lassen, doch wird
man es nicht thun. Ich werde dem zuvorkommen, meinen