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„Es ist so — Vater! Sie kennt uns nicht mehr. Die
heilige Mutter unseres Herrn mag es ihr vergeben!“
„Entsetzlich!“ murmelte der alte Mann. „Ein Kind auf
diese Weise zu verlieren — ihren Untergang zu sehen, und
nicht helfen zu können — weil es die rettende, väterliche
Hand von sich stößt! Wehe Denen, die so Grausames, Un—
natürliches veranlaßt! Wehe ihnen! das Gericht kann ihnen
nicht erspart bleiben.“
Auch fseinen Augen entquollen jetzt Thränen und, wie
vorhin Lonise, hob nun auch er den glanzlosen Blick, die
gerungenen Hände nach dem Mädchen, das ihm Tochter ge—
worden, das er geliebt und gehegt, wie sein eigenes Kind.
Da flüsterte Louise, gewaltsam ihre Thränen unterdrück—
end, dem Vater zu:
„Kommt! sie kennt uns nicht mehr! Laßt uns gehen,
ich fürchte mich hier!“
„Du armes, getäuschtes, unglückliches Kind!“ jammerte
der alte Dümmler, die halbblinden Augen immerfoct auf
die Stelle gerichtet, wo er Elsa vermutete. „Möge Gott
Dich nicht zu hart strafen, für das, was Du an uns — an
Dir selbst verbrochen!“
Damit ließ er sich wie willenlos von seiner Tochter
davonführen.
Destner geleitete Beide bis zum Ausgang, dem großen
Gitterthor des Schlosses.
Oben an dem Fenster aber stand Elsa ruhig und trocke—
nen Auges wie früher. Sie schien während diesen Augen—
blicken einer entsetzlichen Prüfung eine Andere geworden
zu sein. Jetzt war es das Gesicht Jana's, der Zigeunerin,
das dem alten Manne mit dem weinenden Mädchen mach—
blickte, die ihr bis jetzt Vater und Schwester gewesen, die
sie nun mit grausamem Trotz aus ihrem Herzen gerissen
und dem so mächtig erwachten, wilden Triebe nach Freude
und Genuß zum Opfer gebracht. Sie war nicht mehr Elsa,
sondern Hanoscha, das Zigeunerkind, und wie der Blick
dem haßerfüllten der Mutter ähnelte, so waren auch Ge—
fühle in ihr Herz gezogen, die nur Jener eigen gewesen.
Genießen, befehlen, ihren Trieben und ihrem Willen fol—
gend, ungehindert, rücksichtslos, das war es, was sie wollte,
ersehnte und was ihr jetzt erst klar geworden.
Noch immer war der Herzog an ihrer Seite und sprach
zu ihr, und immer schöner, begehrenswerter fand er sie.