Full text : Der Karlsberg

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über das Schicksal eines Menschen, der so gut und so freund—
lich mit ihr gewesen. Nein, es konnte keine Sünde sein,
wenn sie sich nach dem jungen Husarenoffizier, dem Herrn
von Altheim, verstohlen umschaute — es war sogar eine
Pflicht, denn er allein war jetzt im Stande, ihr Nachricht za
geben über den Bruder, um den sie fast ebenso bangte, wie
um die arme Elsa. Bereits einige Male hatte sie auf ihrem
Wege schüchtern des Bruders Namen genannt, den Vater
an denselben zu erinnern versucht, doch dieser ruhig geant—
wortet, daß Henry nichts Schlimmes passiert sein könne,
sie hätten es sonst gewiß schon gestern Abend erfahren, daß
Elsa dagegen in viel größerer Gefahr schwebe und dringen—
der der Hilfe benötigt sei. Ihr müsse ihre erste Thätigkeit
gelten, der Bruder würde schon mit Gottes Hilfe selbst
für sich sorgen, er ihnen bei der Heimkehr gewiß entgegen—
treten.

Endlich waren sie bei dem großen Gitter und den beiden
langen Grenadieren angelangt, welche als Wache an dem
weit offenen Thore standen. Tümmler wollte in den Schloß—
hof treten, doch die Schildwache hielt ihn zurück. Erst nach
langer Zwiesprache, wobei Louise sich ängstlich an den
Vater schmiegte, dieser mit bestimmtem Tone erklärte,
daß er zu dem allergnädigsten Herrn müsse, und einer der
bereits gaffenden und, horchenden Lakaien sich des alten
Jägers und besonders seines hübschen Töchterchens ange—
nommen, wurden Beide eingelassen. Der Bediente, ein
Mensch mit einem wahren Fuchsgesicht, der in dem aller—
liebsten Mädchen mit dem blonden Köpfchen einen willkom—
menen Besuch gewittert haben mochte, der ihm allerlei schö—
nen Lohn eintragen könne, nahm sich sofort des halbblin—
den Mannes und seiner schüchternen Führerin an. Seinen
vorsichtigen Fragen, was Beide denn eigentlich bei Seiner
Durchlaucht suchten, wich Dümmler aus und verlangte nur,
wenn es keine Möglichkeit gäbe, direkt zum Herzog zu ge—
langen, zu irgend Jemandem geführt zu werden, der ihm
eine solche Audienz, die er haben müsse, zu verschaffen im
Stande sei. Ter Alte war auf Alles gefaßt, er wollte Alles
wagen, das Mädchen, dem er bis jetzt Vater gewesen, von
einem sicheren, schmählichen Untergange zu vetten. Der
Herzog hatte ihm immer wohl gewollt, er werde ihn nicht
vergessen haben und seine Bitte gewiß erhören, sein armes
unerfahrenes Kind, das durch falsche Reden bethört, hier—
her gelockt und nur mit Gewalt zurückgehalten würde, wie—
der frei geben. So dachte er und deshalb drang er auf eine
Unterredung mit dem Fürsten.
            
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