Full text : Der Karlsberg

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„Wohin gehen wir, Vater? Ich fürchte mich vor all'
den vielen fremden Menschen, denen wir auf unserem Wege
begegnen müssen.“
„Wir gehen nach dem Schlosse, mein Kino! Und zu
fürchten brauchst Du Dich nicht, ich bin ja bei Dir! Einem
alten halbblinden Manne und seiner Führerin wird man
nichts zu Leide thun.“
„Glaubst Du denn, Elsa — im Schlosse zu finden?“
sagte Louise zagend.
„Ich fürchte es — nach dem, was Du mir gesagt,“ ent—
gegnete Tümmler düster. „Doch werden wir sie, mit Gottes
Huͤlfe, wohl noch zur rechten Zeit aus ihrem prächtigen
Kerker befreien, deshalb Mut und voran!“
Und Beide schritten weiter, an den Arkaden, den Ka—
sernen vorbei, von Allen, die sie auf ihrem Wege fanden.
angegafft, angestaunt. Denn es war ein eigentümliches
Paar, der alte Förster mit seinem ergrauenden Haar, den
würdigen Zügen, die durch die halbgeschlossenen Augen
etwas ungemein Ernstes erhielten, und das junge blonde.
so überaus liebliche und hübsche Mädchen, das den Alten
mit sichtlicher kindlicher Liebe führte, das bei jedem Blick
eines Fremden, bei jedem Worte, das an ihr Ohr drang,
verschämt und errötend die schönen blauen Augen nieder—
—D
pfingen die neuen Gruppen die Näherkommenden. Doch
nichts hemmte ihre Schritte, weder kecke Anreden, noch
freundliches Grüßen, noch all' die Herrlichkeiten des Karls—
bergs, welche das junge Mädchen jetzt zum ersten Male
in ihrem so still und einsam dahin geflossenen Leben, in
nächster Nähe sah.
Ohne Aufenthalt verfolgten sie ihren Weg nach dem
großen Gitterthor des Schlosses. Doch sonderbar! Wenn
Louise auch schüchtern die Augen niedergeschlagen hielt, so
blickte sie doch, so oft sie sich unbeobachtet glauben konnte,
aufmerksam, sogar recht scharf, nach den vielen großen und
schönen Gebäuden hin, an welchen sie auf ihrem Gange
vorüber mußte. Sogar nach den Fenstern spähte sie. Waren
es die prächtigen Paläste und Kasernen, die Höfe mit ihren
Arkaden, die Anlagen und Alleen, die sie so zu interessieren
schienen, oder suchte ihr Auge Anderes, irgend ein freund—
liches bekanntes Gesicht? Tas arme Mädchen errötete bis
zur Stirne, als sie sich selbst diese Frage vorlegte, und im
letzteren Sinne beantworten mußte. Und es war ihrem
teinen Herzen doch nicht zu verdenken, wenn sie sich auf
eine solche unschuldige Weise Gewißheit zu verschaffen suchte
            
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