160
muß Sie immerfort sehen können, denn nur dadurch erhal⸗
ten meine Worte Bestätigung. Oder Sie müßten es denn
vorziehen, selbst mit den Leuten — zu sprechen.“
„Nein, nein,“ entgegnete Elsa heftig. „Ich werde nicht
vom Fenster weggehen. Toch machen Sie, daß ich bald er—
löst und frei werde.“
Noch eine Verbeugung und rasch entfernte sich Destner.
Elsa blieb am Fenster stehen, der Herzog rückte einen
Sessel in ihre Nähe, warf sich hinein und schaute sinnend
zu dem Mädchen auf, das sich ihm in wenigen Augenblichen
von sehr verschiedenen Seiten rückhaltslos gezeigt. Und
wenn er auch eine Freude darüber empfinden mußte, daß
die junge Schöne sich freiwillig entschlossen, bei ihm zu
bleiben, fo verspürte er dennoch ein gewisses Unbehagen
über die Art und Weise, wie sie dies kundgegeben. Doch dies
Gefühl hielt nicht lange an, der verderbte Boden, in dem
es gekeimt, konnte ihm nicht günstig sein, und dann — das
Mädchen war so schön! Je länger er auf die am Fenster
Stehende schaute, deren Antlitz und Haltung einen wilden
Trotz zeigten, die sie einem Manne, von der Art des Her—
zogs nur noch begehrenswerter machen mußte, je heller
loderte die Flamme der Leidenschaft in ihm ausf. In ihr
versank alles Andere, was er empfunden haben mochte
und ihrer Macht allein gab er sich ungehindert hin.
Bevor wir nun weiler erzählen, müssen wir eine kirze
Spanne Zeit zurückgehen, und uns mit dem Louisenhof
und seinen Bewohnern beschäftigen.
—8
—8
—ã —