Full text : Der Karlsberg

Die Alte wurde wirklich verlegen. „Einen Kopf wie
von Eisen scheint sie auch zu haben, immer besser — oder
schlimmer!“ so sagte sie sich und zerbrach sich dabei den
ihrigen, um ein Mittel zu finden, das troßzige Ding zur Ver—
nunft zu bringen, denn die Zeit war vorgerückt, die Stunde
bereits vorüber, wo Serenissimus zu frühstücken pflegte und
jeden Augenblick konnte ein allerhöchster Befehl kommen, der
das Mädchen nach dem herzoglichen Appartement beschied.
Sträubte die Kleine sich dann in solcher respektwidrigen
Weise, so war Hundert gegen Eins zu wetten, daß man dies
tadelnswerte Verhalten ihr, der Müllerin, in die Schuhe
schieben würde, denn sie war ja bereits eine volle Stunde
mit dem Mädchen allein, und ihren Ratschlägen konnte
Alles zur Last gelegt werden. Das war höchst beunruhigend
und der Widerstand der Kleinen mußte besiegt werden —
einen anderen Ausweg gab es nicht: Sie mußte zum
Herzog.
Doch was die würdige Frau mit ihrem Zögling auch
anstellte, es nutzte nichts. Elsa blieb bei ihrem Entschluß
und je mehr die Alte ihr zuredete, je trotziger wurde das
Mädchen, das endlich ihrer mütterlichen Freundin mit lu—
stiger Keckheit in das Gesicht lachte.
Mutter Agnes wollte verzweifeln, sie hatte eine Lektion
bekommen, die sie tief kränken mußte und ihr jetzt schon die
Zukunft in keinem allzu rosigen Lichte zeigte. Toch gab sie
das Spiel noch immer nicht verloren, nur das Richtige galt
es zu finden und Alles war gerettet.
Da erhielt die tragikomische Szene plötzlich einen ganz
unerwarteten, für alle Teile überaus glücklichen Abschluß,—
der der Mutter Agnes fast wie ein Wunder vorkommen
wollte.
Die Zofe stürzte in größter Hast und Aufregung in den
Salon und meldele atemlos:
„Der Herzog kommt! — Seine Durchlaucht ist schon
im Vorzimmer!“
Die Schlaue hatte die Durchlaucht genau so weit kommen
lassen und dann erst das Unerhörte gemeldet, mußte sie
dadurch doch auch Zeugin werden der ersten Begegnung des
Herzogs mit der vielbesprochnen Schönen.
Mutter Agnes war förmlich erstarrt, einer Salzsäule
gleich stand sie da. Das nimmer für möglich Gehaltene
war geschehen, Serenissimus kam hierher zu ihr — zu ihr!
und sie, das kecke trotzige Ding stand da — und lachte!!
Und auf der Schwelle des Salons stand auch schon der
Herzog, mit seiner pfirsichblütenen Habit, frisiert, geschmückt,
            
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