Full text : Der Karlsberg

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man auch auf ihren Rat hören. Und eine solche wüßte ich
Dir, die ihr eigenes Leben für Dich und Dein Glück dran—
setzen würde.“
„Aehnliches hat mir der Herr mit dem braunen Gesicht
und den schwarzen, finsteren Augen gesagt, der mich hierher—
gebracht,“ sagte Elsa unbefangen. „Und hat er sich mir auch
bereits als Führer angeboten.“
Die Müllerin machte eine Grimasse, doch beherrschte sie
sich rasch wieder und entgegnete mit ihrer früheren mütter—
lichen Freundlichkeit:
„Herr Forrstmeister Testner meint es gewiß gut, ohne
Zweifel sehr gut mit Dir, mein Kind. Doch was versteht
ein Mann von solchen Herzensangelegenheiten eines jungen
Mädchens, die ja immer gegen sein eigenes Geschlecht ge—
führt werden müssen? Das kann nur eine Frau, wie gesagt
eine kluge, hier am Hofe durchaus bekannte und erfahrene
Frau besorgen.“
„Ihr seid es wohl selbst, Mutter Agnes?“
„Allerdings könnte ich am besten Deine Führung auf
diesem glatten Boden, der Dich zu dem höchsten Glück, doch
auch zu einem bösen Ende leiten kann, übernehmen, mein
Püppchen! Ich würde wie eine Mutter für ihr liebes
Kindlein sorgen, und all' meine Erfahrungen sollten Dir zu
Diensten stehen. Jeden Tag würde ich heimlich mit Dir
plaudern, Dir sagen, wie weit Du heute, dann morgen
dem Drängen des Herrn nachgeben dürftest, um seine Liebe
stets wach zu erhalten und wenn sie zu erkalten droht, stets
nur zu entflammen. Ja, ich würde Dir die besten allerköst—
lichsten Ratschläge geben können, denn ich — ich kenne alle
Geheimnisse Deiner Vorgängerinnen! Hi, hi! Es sind deren
viele — viele gewesen. Und folgtest Du mir hübsch, so
würdest Du die Letzte sein und keine Nachfolgerin mehr
haben. Na, füßes Liebchen, willst Du?“
Elsa hatte der sauberen Rede recht aufmerksam gehorcht.
Nach einer Weile Sinnens sagte sie rasch und ziemlich be—
stimmt:
„Warum nicht, Mutter Agnes? Ich will auf Euch
hören und Euere Lehren getreulich befolgen, es jedoch auch
mit dem Andern — Forstmeister Destner habt Ihr ihn ge—
nannt — also halten. Das kann gewiß nicht schaden, denn
wenn Ihr viel wißt, so gilt er im Schlosse und bei dem
Herrn Herzog sehr viel, dies habe ich bereits gesehen. Nux
braucht er nicht zu wissen, daß und was wir Beide heimlich
und vertraut mit einander plaudern. Sind seine Ratschläge
nicht gut, so kann ich ja immer noch thun, was ich will.“
            
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