Full text : Der Karlsberg

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jetzt von ihren allgemein gehaltenen Lehren zu greifbaren
Thatsachen überging, langsam und vorsichtig, doch mit sich—
erer Hand den leichten Schleier zu lüften anfing, der über
den Geheimnissen des Hofes, die eigentlich keine waren, ge—
breitet lag. Sie that dies im Grunde wohl nur, um zu
sondieren, wie weit ihre Schutzbefohlene in dieselben einge—
weiht war, was die junge Schöne hoffte und was man ihr
in Aussicht gestellt hatte.
Doch Elsa war schlau, sie horchte nur, und sagte gar
nichts, oder nur Unbedeutendes. Sie hätte die Wißbegier der
Alten auch mit dem besten Willen nicht befriedigen können,
denn was sie eigentlich hoffte, dessen war sie sich ebenso
wenig klar geworden, wie sie wußte, was ihr noch bevorstand.
Täe gewandte Alte hatte dies bald gemerkt und rückte nun
unverhüllt mit der Sprache heraus. War sie die Erste,
welche Elsa die Binde von den Augen nahm, war das Licht,
welches sie ihr gab, ein willkommenes, so mußte das Mäd—
chen ihr dankbar sein und wohl auch bleiben, denn, wie ohne
Erfahrung, glaubte sie dieselbe bis jetzt auch ohne Falsch
gefunden zu haben.
Mutter Agnes war Elsa dicht an die Seite gerückt, ihr
so überaus süß und zuthunlich grinsendes Angesicht hatte sie
dem des Mädchens so nahe als möglich gebracht und mit
leiser Stimme, fast nur fluͤsternd, als ob sie fürchte, daß die
Wände ihre Worte hören und weiter tragen könnten, begann
sie jetzt, mit kühnen Strichen die intimen Verhältnisse des
Herzogs zu Frau von Esebeck, zu den filles d'honneur zu
zeichnen. Elsa errötete, doch wurde sie nicht unwillig, son—
dern hörte nur um so aufinerksamer den ihr merkwürdig
dünkenden Mitteilungen der Alten zu, sich dieselben in ihrem
kleinen doch offenen Köpfchen so gut und vassend als mög—
lich zurecht legend.
Sie sollte dazu bestimmt sein, all' diese jungen, hübschen
und so schön geputzten Mädchen, die stolze und vornehme
Dame, welche sie in dem Jagdzuge bewundert hatte, die hier
in dem herrlichen Schlosse herrschte zu verdrängen, bei dem
Herzog zu ersetzen?! Es dünkte ihr unglaublich, unfaß—
bar, und dennoch mußte es wahr sein, denn sonst hätte
Madame Agnes 'es ihr nicht in einer so geheimnisvollen
und hochwichtigen Weise zugeraunt. Sie, ein kleines, unbe—
deutendes Ting, das bis jetzt in seinem elenden, halbver—
fallenen Hause mit einigen wenigen einfachen Menschen ge—
lebt, und das bald eingewilligt, ihr ganzes Leben in ähn—
lichen Verhältnissen zu vertrauern — sie sollte jetzt, einer
Königin gleich, über den glänzendsten und mächtigsten Mann
            
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