1468 -
wahrhaft Ausgelassene zur Ruhe gebracht, und bald herrschte
denn auch tiefe, nächtliche Stille in den Räumen.
Elsa war eingeschlafen und träumte. Doch keine Bilder
der Vergangenheit führte der Traum ihr vor die Seele —
ebensowenig wie sie während des ganzen ereignisvollen
Abends an den Louisenhof, an die Schwester, den alten
Mann, der ihr bis jetzt ein Vater gewesen, an Henrh, der
sie so innig liebte, noch an all' das tiefe Weh gedacht, welches
sie diesen bereitet hatte. Es war, als ob dies Alles plötz—
lich, mit einem Male, aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht ge—
wesen, in ein Nichts versunken wäre, vor den glänzenden
Bildern von Freude und Glück, die sich ihr, dem schön—
sten Märchen gleich, nicht allein gezeigt, sondern in Wirk—
lichkeit verwandelt. Diesem entsprach ihr Träumen, und
in lustigstem Reigen umgaukelten sie dabei alle die fremden.
drolligen und so bunt geputzten Gestalten, welche sie in den
wenigen Augenblicken ihres neuen Lebens gesehen: der
dicke Oberhofmeister mit dem roten Gesicht; die Mutter
Agnes mit den kleinen, listigen Aeuglein, dem zahnlosen,
zwig lächelnden Munde und den geschminkten, schwammigen
Backen; der baumlange Grenadier, der sie so dummdreist
angeschaut, und der Herzog, der ihr im Grunde am wenig—
sten gefallen; der braune Mann mit dem stechenden Blick,
welcher sie hingeführt, und dann die Marketenderinnen mit
ihren staunenden, neidischen und spöttisch lächelnden Ge—
sichtern — eine ganze lange Reihe, die kein Ende nehmen
wollte! Tazwischen tauchte der hübsche Chevauxleger—
Offizier auf und nun auch das finstere Antlitz Henry's Doch
sie wußte es rasch zu verscheuchen, ein heller Freudenschrei
— ein Kuß dem hübschen Offizier, und es entschwand, um
nie mehr die Harmonie der lustigen, bunten Gesellschaft
mit seinem häßlichen Blick zu stören. Immer toller tanzte.
jubelte und lachte um sie her, zerrte sie mit fort, immer
höher hinauf, immer tiefer — tiefer hinab in bacchantischem
Wirbel, daß ihr fast der Atem verging, die Sinne ihr
schwanden und die wilde, glühende Lust sich in Bangen
und Weh verkehren wollte — da! — ein lauter Auffchrei.
und sie erwachte. —
Der Tag war gekommen und Elsa's neues Leben begann.
Vor ihrem Bette stand Madame Agnes mit frisch ge—
malten Rosen auf den schlaff niederhängenden Wangen und
dem freundlichsten Lächeln ihres an Zahnlücken reichen
Mundes. Kleider von herrlichen Stoffen, wunderbar schö—
nen Formen und Farben hingen auf ihrem Arm und die
zum Kammermädchen Elsa's avancierte ehemalige filles