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Herz würde darüber brechen! — O, reden Sie, Karl, ich
beschwöre Sie! nur ein Wort des Trostes — der Hoff—
nung!“ —
— Mitleid des Herzogs war nur zu bald in zornige
Ungeduld übergegangen. Da unterbrach plötzlich der helle
Ton der goldenen Klingel die lamentable Rede der arinen
Frau, und fast zu gleicher Zeit stürzten die sechs Pagen in
höchstem Diensteifer in den Salon.
„Unterhaltet Madame, befolgt jeden ihrer Befehle, bis
sie in ihre Appartements zurückkehren, oder ihre neuen
Salons, die sie sich gewünscht, besichtigen will. Die Herren
im Vorzimmer mögen warten, wenn sie können, oder inst⸗
weilen gehen — nach dem Deieuner werde ich sie em—
pfangen.“
So sprach der Herzog laut und befehlend und Fran
von Esebeck wußte nun genau, was sie erreicht und was sie
verloren. Toch auch die sechs jungen Pagen wußten di?s
und schienen durchaus keine Lust zu haben, es der Dame,
welche sie als Rivalin betrachten durften, zu verheimlichen.
Seine Turchlaucht hatten nur zu deutlich gesprochen. Ohne
sich weiter um die Gattin seines ersten Ministers zu küm—
mern, ebenso wenig wie um diesen selbst, der draußen im
Vorzimmer schon uͤber eine Stunde vergebens harrte, war
der Herzog raschen Schrittes auf Destner zugegangen. Dieser
öffnete die Flügel der Ausgangsthür des Salons so weit und
rauschend als möglich, ließ, sich tief verbeugend, seinen
Herrn an sich vorüber in das anstoßende Gemach treten und
folgte ihm dann. Die Thür schloß sich wieder und Frau
von Esebeck war — abgethan.
Schon näherten sich Mademoiselle Melanie und ihre
Gefährtinnen der gestürzten Rivalin, um an dieser erst
recht ihren Stachel zu verfuchen, den sie im Vorzimmer, mit
höchster Erlaubnis nach Herzenslust gebraucht, als Frau von
Esebeck sich plötzlich von ihrem Siß erhob. Stolz richtete
sich die majestätische Gestalt empor, die Thränen waren
aus ihren Augen plötzlich und spurlos verschwunden, obgleich
sie jetzt Ursache gehabt hätte, deren bittere zu weinen, und
mit befehlender Handbewegung die kichernden Mädchen von
sich abweisend, sprach sie:
„Sagt meinem Gatten, dem Herrn Geheimrat von
Esebeck, daß ich ihn in meinem Salon erwarte, sogleich!
da ich in einer Stunde den Karlsberg verlassen werde!“
Damit schritt sie langsam und stolz der Thür zu, durch
welche sie gekommen, der Herzog und Destner sich entfernt.
und verließ den Salon, wenn auch als eine Gestuͤrzte, doch
dafür auch einer gestürzten Königin gleich.