Ich werde mich gelegentlich selbst darnach erkundigen und
dürfen Sie in aller Ruhe das Weitere abwarten.“
So sagte der Herzog leichthin und verbeugte sich dabei
gegen die Tame in einer nicht mißzuverstehenden Weise.
TDoch Frau von Esebeck war nicht gewillt, das Feld
ohne einen letzten Kampf zu räumen. Aus ganz anderen
Anzeichen glaubte sie zu wissen, daß ihre Stunde geschlagen,
doch daß man so rasch und rücksichtslos gegen sie vorgehen
würde, daß sie keine Gelegenheit mehr haben sollte, einen
letzten Versuch zu machen, das Verlorene wieder zu er—
ringen, dies hatte sie empört und in Harnisch gebracht. Ihr
plößlicher Angriff war mit Hilfe des entsetzlichen Testner
abgeschlagen worden, jetzt blieb ihr nur noch Eines übrig—
womit sie glaubte, wirken zu können.
Thränen eines verratenen und verschmähten Herzens
mußte sie weinen, und sie brachte dies so vortrefflich fertig.
wußte diese Ergüsse ihrer verkannten und gemarterten Seele
durch treffende, hingehauchte Worte, durch die Erinnerung
an ein einstiges Glück, an Versicherungen ewiger Liebe so ge—
schickt zu unkerstützen, daß der Herzog für den Augenblick,
seibst gegen seinen Willen, sich gerührt fand und einige, wenn
auch ausweichende, doch immerhin tröstende Erwiderungen
dieser Klagen versuchte. Zugleich geleitete er die Weinende
zu einem Sessel bei dem Tische, an dem er gefrühstückt hatte,
während Testner unbeweglich an dem Ausgang des Salons
stehen blieb und auf die Tame, vor welcher er sich noch
vor wenigen Tagen bis in den Staub gebeugt, einen Blick
warf, der ebenso viel Hohn als stolze Schadenfreude aus—
drückte. Ihr Reich war vorüber, was sie auch im Augen—
blick noch versuchen würde, es wieder zu erobern, es wat
vergebens. Diese letzte, ungefährliche Freude konnte er der
Gestürzten gönnen.
„O, ich weiß Alles,“ raunte Frau von Esebeck dem
Herzog leise und ohne daß die Thränen ihren Redefluß
hinderten, zu. „Eine Bauerndirne, ein ganz gewöhnliches
Geschöpf, haben Ihre Kreaturen Ihnen in die Arme ge—
führt. Toch ich weiß auch, daß Sie das Mädchen nicht lieben
können, in der ersten Stunde ihrer überdrüssig sein wer—
den; daß Sie sich schämen werden“ — dabei blickte sie auf
die elegante Kleidung des Herzogs — „für Sie gethan zu
haben, was Sie nimmer für Diejenige, welche Sie wahrhaft
geliebt, der Mühe wert gehalten zu thun. O, es ist entsetz⸗
lich! Mich, die Ihnen Alles geopfert — mich einer solchen
elenden Bauerndirne wegen zů verraten! Ich kann es nicht
fassen — nicht ertragen! Das Weh wäre zu groß — mein