Full text : Der Karlsberg

„Ist es auf Euren Befehl, Durchlaucht, daß ich meine
Appartements werde zu räumen, mit einem andern zu
vertauschen haben?“
Der Herzog wurde verlegen, fragend blickte er Destner
an, doch schon begannen seine Brauen sich zusammenzu—
ziehen und das Gesicht nahm bereits wieder den ihm bis
heran eigenen düsteren Ausdruck an. Er entgegnete achsel—
zuckend:
„Ich verstehe Sie nicht, Madame.“
„Meine Leute sagen mir, daß Exzellenz von Schellhorn
Befehl gegeben, eine Reihe von Zimmern am äußersten
Flügel des Schlosses für mich in Bereitschaft zu setzen, weil
die meinigen —“
„Nun, meine Gnädige?“
„Weil die meinigen einer Reinigung bedürftig seien.“
Der Herzog lachte laut auf, und mit erhöhter Stimme,
doch nun auch mit hellen Zornesthränen in den Augen, fuhr
Frau von Esebeck fort:
„Das ist ein Schimpf, den ich nicht dulden, nicht er—
tragen kann, den Durchlaucht strafen müssen, soll ich nicht
vor Zorn und Scham vergehen.“
Herzog Karl schien noch immer nicht recht zu wissen,
was eigentlich vorgegangen und was er antworten sollte.
Der Einfall des Oberhofmeisters mußte ihm indessen durch—
auch nicht so strafbar, wohl aber recht vernünftig dünken,
nur vermochte er es in seiner augenblicklichen Stimmung
noch immer nicht, Letzteres rückhaltslos zu äußern, und
so blickte er denn wieder fragend auf Destner, um von diesem
erwünschte Hilfe zu erhalten.
„Verzeihen Sie, gnädige Frau,“ sagte der Forstmeister
mit einer respektvollen Verbeugung, doch ohne sich Mühe zu
geben, eine flüchtiges Lächeln zu verbergen, „Seine Erzellenz
Herr von Schellhorn hat durchaus nicht gegen die Ehrfurcht.
welche er einer so hohen und schönen Damse, wie die gnädige
Frau von Esebech, schuldig, verstoßen wollen. Ich erinnere
mich jetzt deutlich, daß derselbe gestern Abend von einer
solchen Reinigung des betreffenden Appartements, die keinen
Aufschub mehr dulde, gesprochen. Sie sehen daraus zur
Genüge, daß ein solcher — vorübergehender Wohnungs-8*
 kein Schimpf, sondern nur eine — Notwendigkeit
ist.“ —
„Ganz recht, und somit werden Sie wohl auch nichts
dagegen einzuwenden haben. Hoffentlich wird das ange⸗
deutete — provisorische Appartement mit allem Komfort
ausgestattet werden, den Sie zu beauspruchen berechtigt sind.
            
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