Full text : Der Karlsberg

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„Der schwarze Eber Destner fehlt nie, ebensowenig der
Fuchs Esebeck, der Kameel-Intendant der menus plaisix.
der ElefantenOberhofmarschall, der gelehrige Pudel-Ober—
hof⸗ und Zeremonienmeister, der —“
„Halt ein, Melanie, um Gotteswillen,“ unterbrach die
Turchlaucht hellauflachend den zungenfertigen Leibpagen.
„Deine Laune ergeht sich ja heute wahrhaft vierbeinig unter
meinem armen Hofstaat! Toch Du selbst hast Dich ver—
gessen. Zu welcher Klasse von — Geschöpfen rechnest Tu
Dich denn eigentlich?“
„Ich möchte heute — eine Biene sein.“
„Doch hoffentlich nicht um zu stechen?“
„Um den herrlich frisierten Kopf Euer Durchlaucht be—
wundernd zu umschwirren, und ihm Etwas ins Ohr zu
summen.“

„So summe, Du lustige Biene, und behagt mir Dein
Lied, so soll es als Dank an Honig nicht fehlen.“
Und Melanie plauderte, lachend, schäkernd, doch dabei
den scharfen Blick ihrer immer noch hübschen und feurigen
Augen nicht von dem Gesicht des Herzogs abwendend. Leise
und fast singend klang es an dessen Ohr:
„Summ! summ! summ! In unserem goldenen Bienen—
haus ist ein neues Bienchen eingeflogen — summ! Schlan—
ker ist ihre Taille als die der Schwestern, schärfer, glühender
ihr Auge. Noch ist sie zu jung in unserem Kreise, um ihr
Geschlecht bestimmen zu können, doch wird es wohl — ein?
Königin sein. Du allein wirst es wissen! Doch dann ist
auch ihr Stachel schärfer als der ihrer Schwestern und vor
ihm — hüte Dich! Summ! summ! summ!“
Der Herzog hatte vergnügt lächelnd einen Ring mit
blitzenden Steinen von seinen Fingern gezogen und reichte
ihn jetzt dem schlauen Mädchen, das ihn mit einem freu—
digen Summen in Empfang nahm. Dann warf er den
Kopf in die Höhe und mit einem Blick, der nichts von seiner
gewöhnlichen Tüsterkeit hatte, sagte er rashh!::
„Gut gesummt, mein kluges Bienchen! Doch jetzt fliege
mit Deinen Schwestern fort, nach dem Vorsaal, die dortige
würdige Gesellschaft zu vervollständigen und schicke mir den
Eber, den Testner. Ich will allein mit ihm sein und damit
die übrigen — Insassen meiner Arche Noah nicht ungeduldig
werden, gebe ich Euch gnädigste Erlaubnis, ihre Ohren
gehörig zu umsummen, meinetwegen auch Euer? Stäachel
an ihnen zu versuchen. — Doch kein Lied, wie das von
vorhin!“
            
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