Full text : Der Karlsberg

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thüren; die eine führt in das eigentliche herzogliche Appar—
tement, die andere in den Vorsaal und bildet diese den allge—
meinen Eingang. — Doch noch einen andern heimlichen
Ein- und Ausgang hatte das Schlafgemach, in der Traperie
des festen Wandteiles befand er sich und bestand aus einem
kleinen Thürchen, das höchst geschickt in den Falten der
schweren Sammetbehänge angebracht war. Es fuüͤhrte durch
einen langen schmalen Gang durch Kammern hinaus auf
einen stillen Korridor, der übrigens mit den Hauptgängen
und Treppen des Schlosses in Verbindung stand, wie er
auch zu einem Pförtchen leitete, das gelegentlich einen will—
kommenen Auslaß nach den Gärten bieten konnte. Die
Thüren dieser verschiedenen kleinen heimlichen Ein- und
Ausgänge, von dem Schloßgarten bis in das herzogliche
Schlafgemach hatten alle ein und dasselbe, jedoch recht sinn—
reich kombinierte Schloß, und einen Schlüssel hierzu er—
hielten die Auserwählten des Tages, die ihn wieder dem
Herrn Oberhof- und Zeremonienmeister abliefern mußten,
sobald ihr schönes, doch meistens sehr kurzes Reich vorüber
war. Er kam wohl einem Szepter, einem Herrscherstabe
gleich. Im Laufe der Jahre hatte sich dieser kleine, so viel—
fach und heiß begehrte Schlüssel recht abgenutzt, denn ex
war durch viele — sehr viele und schöne Hände gegangen.
Wer so glücklich war, ihn in diesem Augenblick zu besitzen
oder zu verlieren, werden wir sogleich erfahren.
Der Herzog hatte seine Chokolade geschlürft, einiges
Backwerk dazu genossen und der Leibpage, Mademoiselle
Melanie, eine pikante Französin, präsentierte ihm nach
bekanntem Reglement, auf silbernem Plateau, die Dose
du iour.
Während der Herzog die erste Prise des süß duftenden
Robillard nahm, fragte er französisch:
„Wer ist im Vorsaal?“
„Eine ganze Heerde, Durchlaucht! — oder noch besser,
eine ganze Arche Noah,“ antwortete das Mädchen keck und
lustig, „denn alle Racen, von dem geduldigsten Schaaf.
dem schlauen Fuchs, bis zu dem tappigen Elefanten, und
dem lustigen Bär sind vertreten, und Alle schmachten in
tiefster Unterthänigkeit — wenn gewiß auch nicht als erstes
Frühstüch, doch sicher als erste Lebensbedingung nach dem
Sonnenblick ihres vergötterten Herrn und Gebieters. Soll
ich sie einlassen, oder noch länger schmachten lassen?“
„Lasse sie meinetwegen verschmachten!“ erwiderte der
Herzog, „und sage mir nur, ob Destner unter ihnen ist?“
            
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