goldgestickte Seidendamastweste, und vor allen Dingen die
feinen Spitzen, welche aus derselben in reichster Fülle her—
vorquollen, den Hals umwallten, an den Aermeln die viel—
fach beringten Finger umgaben, dies Alles war ebenso reich
als elegant und geschmackvoll, und der Herzog Karl durfte
mit sich zufrieden sein, er machte sich selber einen guten,
sogar recht bedeutenden Effekt.
Ein leichter Wink und zwei andere Kammerdiener eilten
mit dem leichten Schlafrock von blumenumrankenen Sei—
dentaffet herbei. Serenissimus streckte die beiden Arme nach
rückwärts aus und schon im folgenden Augenblick saß das
Kleidungsstück auf dem herzoglichen Körper, umfloß dessen
Glieder in weichen kühlenden Falten. Jeßt ergriff die
fürstliche Hand eine goldene Klingel; ein Tönen, hell wie
die Blicke des Allmächtigen, wurde laut, ein gnädiges Kopf—
nicken erfolgte und die Herren Kammerdiener waren ent—
lassen. Nur rückwärts gehend, die Rücken immerfort un—
tadelhaft gesenkt, die Häupter im Schritte wiegend und ver—
beugend, verließen sie das Heiligtum, um andern Dienern
Platz zu machen, welche im Vorhof dieses Paradieses wohl
mit Ungeduld des goldenen Rufes geharrt hatten.
Sechs Pagen, von frischen Farben, ganz a la Louis XV.
gekleidet, bebändert und frisiert, hüpften herein, strahlende
Freude auf den hübschen feingeschminkten Gesichtchen. —
Wer hätte in ihnen die etwas derben Marketenderinnen
von gestern Abend, die mit den Grenadieren heimzogen.
wiedererkannt? Fürwahr, Madame Agnes, die Kleidermut—
ter der filles d'honneur hatte hier wieder eines ihrer Wun—
der bewirkt, das nun durch ein sehr herablassendes Lächeln
Seiner Turchlaucht so überreich belohnt wurde.
„Die Chokolade!“ geruhten der Herzog zu befehlen.
Und fort stürmten einige der Pagen, das Frühstück, als erste
Stärkung dem Regenten der Zweibrücker Lande zu bringen.
während andere, unter Leitung des heutigen Leibpagen,
äußerst behende im weitoffenen Nebensalon Tisch und Sessel
zurecht rückten und zu dieser ersten Arbeit, oder vielmehr
diesem ersten Genuß des heutigen Tages tauglich her—
richteten.
Während Serenissimus den süßen braunen Trank be—
haglich schlürfte, müssen wir uns diesen Teil des herzog—
lichen Appartements des Karlsberges, wo all' die soeben
angedeuteten wichtigen Vorrichtungen vor sich gingen, ein
wenig näher ansehen. Nähere Kenntnis von den prachtvollen
Räumen zu nehmen ist fogar Notwendigkeit.