156
Siebentes Kapitel.
Bei der Toilette. — Frau von Esebeck.
Der Herzog warf seinen Pudermantel ab, erhob sich
von dem breiten bequemen Fauteuil und trat wieder vor die
Spiegelwand, denn so konnte man wohl die verschiedenen
zusammengesetzten Spiegelscheiben nennen, welche vom Bo—
den bis zur Tecke reichten und die Breite? einer mäßigen
Zimmerwand einnahmen. Aufmerksam musterte er sein sorg—
fältig frisiertes und gepudertes Haar, dann traf ein gnädiges
Lächeln, einem Grand-Seigneur gleich gekleideten Kammer—
diener, der in scheinbarer Ueberseligkeit sich mit seiner Bürst—
und Puderquaste bis fast zur Erde niederbeugte.
Serenissimus war in der vortrefflichsten Laune, schon in
solcher hatte er sein Lager verlassen und dieser Aufgang dex
allmächtigen, Alles belebenden Sonne des Karlsbergs hatte
das Schloß bereits mit dem hellsten Gnadenlichte erfüllt
und seine Bewohner in die allerrosigste Stimmung versetzt.
Seit Wochen, ja seit Monden hatte man solchen schönen,
vielverheißenden Beginn eines hochfürstlichen Tages nicht
erlebt, und wer von den getreuen Insassen der Residenz die
Ursache dieser ersehnten Erscheinung kannte, oder zu kennen
glaubte, oder auch nur ahnte, rechnete bereits ganz bestimmt
auf ein andauerndes, prachtvolles Hofwetter, in dem Freu⸗—
den und Lustbarkeiten aller Art in üppigster Weise gedei—
hen mußten. Der Allergnädigste, welcher in letzter Zeit
seinem äußeren Menschen wenig Aufmerksamkeit geschenkt,
hatte heute das Allerbeste zu einer eleganten Morgentoillete
Passendste der reich ausstaffierten Garderoben zu befehlen
geruht, sein frisierender Leib- oder richtiger Kopf-Kammer—
diener sich bereits selbst übertroffen und nun stand der Her—
zog vor dem Spiegel, wenn auch vor der Hand nur in
simplen Hemdärmeln, doch sonst gekleidet, als ob er mit
seiner römisch apostolischen Majestät Joseph II. hätte früh—
stücken sollen. Die pfirsichblütenen Sammthosen mit den
reich in Gold und bunter Seide gestickten Kniebändern, die
mattglänzenden, weißen Seidenstrümpfe, die feinen Schuhe
mit den eleganten Smaragdschnallen, die weiße, schillernde