Full text : Der Karlsberg

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Mitten in diesem bunten eigentümlichen Leben und
Treiben, unter seinen vielen Kavalieren und Offizieren
aller Chargen, mit seinen Bauern als ehrfurchtsvoll stau—
nende Zuschauer in dem düsteren Schatten der fernen Bäume
und elenden Baracken, saß der Herzog, der Herr all' dieser
Herrlichteiten und Fröhlichen. Nur er allein schien nicht an
der allgemeinen Freude Teil zu nehmen; gelangweilt blickte
er um sich, als ob er den Gegenstand suche, der ihn zu er—
heitern vermöge, und oftmals wurde der Ausdruck seines
Auges finster und drohend. Die laute Lustigkeit um ihn
her, in seiner nächsten Nähe, das Jubeln und Singen der
Soldaten in der Ferne schienen ihm unbehaglich zu sein;
er duldete dies Alles im Augenblick wohl nur weil es eben
Brauch und Herkommen war und nicht weil es ihn frente.
Der Oberhof- und Zeremonienmeister, der Intendant der
menus plaisirs, sie waren schon ganz außer sich, deun
ihnen lag ja die Erheiterung Seiner herzoglichen Turch—
laucht ob, und eine solche Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen
kam fast einer Ungnade gleich. Herr Niklas Ganz von
Schellhorn zerbrach sich bereits den Kopf über das, was er
wohl anstellen könne, um dem hohen Herrn die erwünschte
gute Laune wiederzugeben. Sein würdiger Kollege half
ihm dabei nach besten Kräften, doch mußten die nicht aus—
reichend sein, denn die Herrren fanden nichts. Wäre nur
Testner zugegen, oder zu finden gewesen, er, der nie um
Mittel zur Unterhaltung verlegen war, hätte schon helfen
können, doch der Forstmeister hatte sich den ganzen Abend
nicht blicken lassen. Dies sagten sich seufzend die beiden
bedrängten hohen Würdenträger und der Herzog jagt« sich
wohl Aehnliches. Auch der vermißte Destner und besonders
das, was dieser Getreue ihm für heute Abend zugesagt:
mindestens der Anblick, die Nähe des zauberisch schönen
Mädchens, das seit gestern sein Herz und sein Sinnen in
so ungewöhnlicher Weise beschäftigte.
Herr von Schellhorn war auf den Gedauken einer
öffentlichen Belohnung für außergewöhnliche Bravour am
heutigen Abend verfallen und da sein Kollege, der Herr
Intendant, sowie die mit zu Rat gezogenen Generale und
Kommandeure der drei Regimenter dies für unmöglich er—
klärt, indem alsdann das ganze Heer hätte belohnt werden
müssen, da Alle mit gleich bewundernswerter Tapferkeit
gekämpft und gestürmt, so verfiel man auf das Gegenteil.
auf eine exemplarische Bestrafung irgend eines Schuldigen.
Dies konnte passende und glückliche Abwechslung in das
lustige Leben des Bivouaks und den Allergnädigsten zum
            
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