Full text : Der Karlsberg

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auch die totgerittenen Rinder zu verwenden. Da die
Keller der glücklichen Vogelbacher keine Spur von Wein
sondern nur ein Weniges an gebranntem Wasser, dünnem
säuerlichem Bier enthalten, wovon man sich mit staunens—
werter Schnelligkeit überzeugt, so waren diese Getränke in
Gnaden den Eiuwohnern überlassen worden. Diese muß—
ten denn doch azuch eine kleine Freude an ihrem heutigen
Ehrenamt haben! Auch war den Truppen aus den über—
reich gefüllien Schloßkellern für den Notfall — und der
Herr Generalquartiermeister hatte für Vogelbach einen sol⸗
chen vorausgesehen — so viel Wein nachgeführt worden,
als dieselben nach den gehabten Strapazen der Campagne
wohl noch zu vertilgen im Stande sein würden. So war
denn für die leiblichen Bedürfnisse aufs Beste gesorgt, für
die Unterhaltung sorgten die Soldaten selbst, natürlich mit
Hilfe der männlichen und besonders der weiblichen Ein—
wohner Vogelbach's, die gewiß mit pflichtschuldigstem Eifer
und Tank sich bestrebten, dieser hohen Ehre würdig zu sein.
In dem zum herzoglichen Lagerplatz umgewandelten
Garten — den der glückliche Besitzer gewiß am andern Tage
mit einem passenden Deukstein zieren wird — ging es be—
sonders hoch her, denn für alle möglichen Bequemlichkeiten
und Illuminationen hatte der herzogliche Oberhof- und
Zeremonienmeister Herr Niklas Ganz von Schellhorn mit
bekannter Umsicht und Gewandtheit gesorgt.
An den Baumästen hängen große bunte Papierlaternen,
die auf ihren transparenten Flächen die Daten all der Be—
lagerungen, Erstürmungen, Schlachten und Ueberfälle zeig—
ten, welche der Herzog mit seinen drei Regimentern, zu
deren Uebung bisher ebenso glücklich wie glorreich aus—
geführt. Und da solche Siegestage sich in erstaunlicher
Menge in der Karlsberger Hof⸗ und Kriegschronik verzeich—
net fanden, so war die Illumination auch eine sehr um—
fangreiche und äußerst blendende. Licht genug war vor—
handen, um die glänzenden Uniformen, die fröhlichen sie—
gestrunkenen Gesichter und besonders die höchst zierlich ge—
putzten und ausstaffierten Markedenterinnen schauen zu
können, welche in reicher Anzahl durch die Zelte, an den
Tischen vorüberhuschten, hier in den Schatten verschwan—
den, dort wieder im vollen Lichte auftauchten, und immer
plaudernd und lachend, Heiterkeit verbreitend, zu Scherzen
—
chend entziehend. Es waren die einzigen weiblichen Teil—
nehmer dieses Lagervergnügens, von denen die Tamen des
Hofstaates, wie bei den Bacchusfesten des Samstagabends.—
'ich grundsätzlich ausgeschlossen fanden.
            
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