1198
sich rasch näherte. Dort! — dort kam er mit seinen bren—
nenden Laternen hervor und auf sie zu.
Er war es — nur Er konnte es sein, den Elsa erwartet?
und einen unterdrückten Schrei, leidenschaftlich und voll
von einer grimmigen Freude, stieß sie aus. Die Thränen,
der Zorn, sie waren wie durch ein Wunder verschwunden
und mit gespannter freudiger Erwartung sah sie dem näher—
kommenden Gefährt entgegen.
Jetzt wurde der Schlag des langsamen dahin rollenden
Wagens aufgestoßen und eine Männerstimme rief ein lautes
„Holla!“ das den Wald und das dämmernde Thal weit
durchhallte.
Ohne Furcht trat Elsa aus dem Schatten der Buche
hervor und auf die Straße. In diesem Augenblick hielt der
Wagen, ein Mann sprang heraus und näherte sich rasch dem
Mädchen.
Es war Destner.
„Blitzmädel!“ rief er mit auffallender Freudigkeit, „hast
also doch Wort gehalten und mich erwartet, trotzdem ich der
Vorbereitungen halber, welche unser kleines Unternehmen
erforderten, länger zögern mußte, als mir lieb war!“
„Bald wäre ich heimgegangen,“ entgegnete Elsa trotzig,
„und Ihr hättet mich nimmer wieder gefunden.“
„Oho! Gefehlt, schwarzäugiges Liebchen! Ich hätte Dich
schon zu finden gewußt, und wenn ich Dich auch in dem
Louisenhof hätte suchen und von dort entführen müssen.
Toch es ist besser so und ganz charmant von Dir, daß Du
mich dennoch erwartet hast, will es in Zukunft nimmer thun
und ein ganz gehorsamer pünktlicher Diener sein.“
Anfänglich lustig, hatte Destner die letzten Worte leise
und mit tiefein ernsiem Tone gesprochen. Elsa horchte er—
staunt auf, dann sagte sie:
„Jetzt redet rasch! sagt, was Ihr mir mitzuteilen habt,
denn es ist schon spät und ich muß heim.“
„Hast recht, mein kluger Schatz!“ erwiderte Destner in
früherer Weife „Wir müssen unsere Angelegenheit rasch zu
Ende führen, deun für uns Alle drängt die Zeit. Doch folge
mir noch einige Schritte, der Schlingel dort auf dem Bock
braucht nicht zu hören, was ich Dir zu sagen habe.“
Damit erfaßte er Elsa's Hand und führte diese etwas
weiter von dem Wagen ab in das Thal hinein. Ohne
Furcht zu verraten und etwas zu erwidern, ließ das Mäd—
chen es geschehen. Jetzt fuhr Testner fort:
„Vor allen Dingen verlangt's Dich wohl zu wissen, wie
der Streit zwischen Deinen Anbetern abgelaufen ist? Nun,