Full text : Der Karlsberg

auf der Erde, während einer der Grenadiere auf ihm kniete,
die andern dem Wütenden die Hände mit Stricken unbarm—
herzig zusammen banden.
„Werft ihn nieder! bindet, knebelt den Frechen, der es
gewagt, sich also den Befehlen seines Herrn zu widersetzen!“
So hatte Destner mit grimmigem Zorn in den Tumult
hineingerufen und seine Befehle waren nur zu rasch und ßu
gut ausgeführt worden.
Altheim wollte sich, seinem Triebe für den Unglücklichen
folgend, schützend zwischen ihn und die vier riesigen Solda—
ten werfen, doch der kältere, besonnene Scharfeneck hielt den
Freund gewaltsam von seinem thörichten Vorhaben ab, das
dem Förster auch nimmer hätte nützen, dem gutmütigen
Helfer nur hätte schaden können. Auch machte Henry durch
seine Reden auch jedes fernere Thun zu seinen Gunsten
dem herzoglichen Offizier zu einer Unmöglichkeit.
Tief empört über die ihm werdende Behandlung und
ungehindert, ja mit einer grimmigen Freude der Veracht—
ung Ausdruck gebend über die schmachvollen Verhältnisse,
in denen er bis jetzt hatte leben müssen, rief der junge Waid—
mann:
„Euer Herzog ist mein Herr nicht mehr! Einem Manne,
der jedes Recht seines armen Volkes höhnend mit Füßen
tritt, der mit frechem Uebermut das Einzige, was dem
Armen noch geblieben, die geheiligte Ehre der Familie, mit
Schande befudelt — einem solchen Menschen kann und mag
ich nicht mehr dienen, ich kann ihn nur verachten!“
„Hochverrat!“ —
Nur dies eine Wort vermochte Destner auszusprechen,
und wahrhaft starr vor Ueberraschung, Staunen und Schreck,
daß ein herzoglicher Beamter es wagen konnte, fsolche nie
gehörte, nimmer für möglich gehaltene Worte zu reden, stand
er da und starrte den am Boden Liegenden an. Die Hand
war dabei an den Griff seines Hirschfängers gefahren, doch
fuhr die Waffe nicht aus der Scheide, wie sie vielleicht ge—
sollt, um in dem Blut des Hochverräters die Lästerung zu
sühnen, welche dessen Mund ausgestoßen. Der sonst so ge—
wandte und wo es sein mußte, so gewaltthätige Mann war im
ersten Augenblick vollständig unfähig zu handeln. Worte
waren an sein Ohr, in sein Hirn gedrun—
gen, denen er keine Stelle in seinem Ideenkreise anzuwei—
sen vermochte, so fremdartig, ungeheuerlich erschienen sie
ihm. Doch dieses Erstarren hielt nicht an, es schwand, und
die schwarzen tückischen Augen nahmen nur zu rasch einen
Ausdruck grimmigen Hasses an, der das Schlimmste für
den armen Förster befürchten lassen mußte.
            
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