Full text : Der Karlsberg

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ter sich weit und breit in den deutschen Landen erhob, und
nur zu gut wußte der finstere Fürst seinen Willen durchzu—
führen. Rasch mußten die Arbeiten vollendet werden, denn
mit den Bewohnern der bisherigen Residenz Zweibrücken
lag der Herzog im Streit, sie setzten seinem eisernen Wil—
len den ihrigen entgegen, und der Wegzug des Hofes sollte
den Zweibrückern die empfindlichste Strafe sein. Dem zweit—
größeren Städtchen des Landes, Homburg, wurde die
Ehre, wenn auch nicht just die neue Residenz zu werden, doch
gleichsam zu derselben zu gehören. Eine neue, schnurgerade
Straße wurde angelegt, welche von Homburg auf den Berg
und zu den Schlössern führte, denen der Herzog seinen eige—
nen Namen gegeben und sie „Karlsberg“ ge—
nannt hatte. Wenn auch zur Zeit nur Bäume die Straße
säumten, so sollte sie doch zwei Häuserreihen erhalten, die
bestimmt waren, die neue herzogliche Residenz mit dem
Städtchen Homburg zu verbinden, wenn die Entfernung
auch weit über eine halbe Stunde betrug. Doch die Ausführ—
ung dieser wahnsinnigen Idee wurde aufgeschoben — um
später gänzlich zu unterbleiben. Die Häuser sollten gebaut,
dann verlost, die Beamten und auch Bürger gezwungen wer—
den, solche Lose zu kaufen. So wurde von einem früheren
Herzog in Zweibrücken die Vorstadt nach Ernstweiler zu
gebaut. Für Homburg blieb es jedoch nur bei dem Projekt.
Wenn ich nicht irre, wurde ein einziges dieser Häuser ge—
baut, das heute noch steht und das „Lotteriehaus“ heißt.
Es ist das letzte Haus Homburgs nach dem Karlsberg zu.)
Dafür aber wurde die neue Residenz in überraschend kurzer
Zeit hergestellt. Tausende von Händen mühten sich dabei
ab, schleppten das Material herbei, zu dessen Gewinnung
wohl ein ganzer Berg hatte gesprengt und abgetragen werden
müssen; Tausende opferten ihre Kraft und Gesundheit an
dem riesigen Werk, zu dessen Kosten die Bevölkerung des
ganzen Ländchens beitragen mußte. Kein Bitten, kein Mur—
ren, keine Vorstellung halfen, arbeiten und zahlen mußten
die armen Zweibrücker, und der Karlsberg, ein Wunder in
einer Art, wurde fertig.
150 000 Einwohner zählte das Zweibrücker Land, die
etwa 800000 Gulden in die herzoglichen Kassen zahlten
— 14 Millionen hatte der Karlsberg gekostet, und in nicht
ganz vier Jahren waren sie beigetrieben worden!
Die neue Residenz nahm die ganze Länge des Bergrückens
ein. Wohl über eine Viertelstunde weit reihte sich ein schloß—
ortiges Gebände an das andere und vor ihnen zog sich ꝛine
breite, schnurgerade Allee dahin, die sämtliche Gebäude mit
            
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