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Fünftes Kapitel.
Vor und nach der Parade.
Die nächtlichen Schatten waren mit dem bleichen, ge—
heimnisvollen Lichte des Mondes verschwunden und hinter
den bewaldeten Kuppen des Karlsberges stieg die Sonne in
ihrer goldroten Pracht empor, den neuen Tag den Men—
schen bringend. Doch wenn in ihrem belebenden Strahl
auch die Natur ringsum erwachte, die Kronen der Bäume
des Waldes, leise saͤuselnd, zu atmen schienen, die Blumen
und Blüten ihre Kelche erschlossen, die Gräser sich leise schüt—
telten, daß der Thau, der sie erquickt, wie zahllose Dia—
manten in dem goldenen Scheine funkelte, wie
auch die Tiere des Waldes ihren Ruf ertönen ließen, einem
Gruße gleich, dem neuen Leben dargebracht, die Vöglein im
Busch und Zweigen, im Aehrenfelde ihre Lieder zu singen
begannen — die Menschen, für welche der junge Tag all'
seine Herrlichkeiten entfaltete, schienen seiner nicht zu achten
und die Ruhe ihm vorzuziehen. Die Paläste auf dem Berge
blieben stumm und still, wenn auch die Sonne sie mit ihren
erwärmenden Strahlen grüßend küßte und ihnen zugleich
einen Glanz verlieh, der sie noch stolzer und prächtiger
machte, als sie es im Grunde schon waren.
Es war in der That ein herrliches staunenswertes Werk.
das Menschenhände, von dem despotischen Willen eines Ein—
zelnen geleitet, dort auf dem ehemals so öden Bergrücken
errichtet hatten, ein Werk der Pracht, doch auch der Trauer,
denn Millionen hatte es verschlungen, den Unter—
thanen des kleinen armen Ländchens abgepreßt, und
Thränen fließen lassen, die zu Flecken geworden, die ihm
unvertilgbar anhafteten; zahllose Unglückliche hatte es ge—
macht, die es verflucht — und deren Fluch sich wohl auch
an dem stolzen Bau erfüllen wird.
Gleich nach seinem Regierungsantritt im Jahre 1775
ließ Herzog Karl die neue Residenz beginnen, auf der Stelle,
die ihm das verführerische Weib, welches sein böser Engel
ihm an die Seite geführt, zum Hohne seiner armen Unter—
chanen bezeichnet. Ein Bau sollte es werden, wie kein zwei—