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Ihre Züge wurden nach und nach ruhiger, das Auge, dessen
Feuer sich dämpfte, endlich zu erlöschen schien, senkte sich
und, während die erhobenen Arme an ihrem Oberkörper
niederglitten und sie sich langsam wieder nach ihrem frü—
heren Sitz hin bewegte, wiederholte sie nochmals den Na—
nien, doch jetzt in kaltem, fast ausdruckslosem Ton:
„Hanoscha?! — — Hanoscha ist tot.“
„Bist Tu dessen gewiß, Jana?“ rief Destner rasch und
nicht in geringer Spannung.
„Hanoscha ist tot — wie ich gesagt. Toch was küm—
mert's Tich? Hast ja sonst nie nach dem Kinde gefragt!“
„Wann starb sie? Ich muß es wissen!“
„Vor — vierzehn Jahren, an dem Tage, da — Er zum
ersten Male Einkehr bei mir hielt!“
„Ah! ich verstehe! Da war das Kind im Wege! —
Doch wer bürgt mir dafür, daß es wirklich tot — und nicht
mehr am Leben ist?“
„Die Mutter Uscha — brachte mir die Nachricht.“
„Und bist Du gewiß, daß die alte Hexe Dich nicht be—
logen?“
„Ein Jahr nachher starb sie — wir hausten schon hier
im Walde. Tort auf dem Divan lag sie und röchelte. Da
ging ich auf die Sterbende zu, legte ihr die Hand auf die
Stirne, dann auf das Herz und fragte sie: „Was hast Du
mit meinem Kinde gemacht?“ Da schiug die Alte noch ein—
mal die Augen auf, ihr Mund verzerrte sich zu einem gräß—
lichen Lächeln und, kichernd, mit Tönen, die mich schandern
mächten, stammelte sie: „Hanoscha ist — tot! — tot! —
Du wirst sie nimmer wiedersehen!“ — Dann war auch sie
gestorben — wie das Kind, und bei ihm!“
Destner sprach nicht mehr — er war jetzt wohl über—
zeugt. Noch einige Augenblicke blieb er auf dem Polster
fitzen, worauf er sich niedergelassen, dann erhob er sich und
schritt auf den Ausgang des Zeltes zu.
„Du gehst?“ rief Jana, sich halb aufrichtend, ihm nach.
„Meine Frage hast Du beantwortet, ich habe hier nichts
wse zu thun,“ entgegnete Destner kalt, dann verließ er das
Zelt. —
„Hanoscha! —“ hauchte die Zigeunerin noch wie in
tiefem Sinnen und in einem Atemzug, der einem wehen
Seufzer gleich klang, „wenn mein Kind noch lebte!!“— —“
Dann sank sie auf das Lager zurück, die Arne über der
Brust gekreuzt und das Haupt gesenkt.
Dräußen murmelte Destner mit einem höhnischen
Lächeln, indem er den Rückweg aus dem noch immer vom
Monde hell beschienenen Park antrat: