Dich, und Du wirst mir Recht geben müssen. Ich habe
meine Zeit gehabt und sie, bei Schahnamet und allen ihren
Teufeln zu benutzen gewußt! Hei! wie haben die Hunde
geblutet unter der Peitsche ihres Treibers, als die unsinni—
gen Paläste dort auf der öden Höhe erbaut wurden, und
wie haben sie für diese Lust, die Blut und Schweiß ihnen
gekostet, noch zahlen müssen! Den letzten Heller, die Kuh
aus dem Stalle, das Bett aus der Kammer, das Hemd
vom Leibe mußten sie hergeben, um die Millionen zusam—
menzubringen, welche die riesigen Bauten verschlungen. Doch
das war nicht Alles, was sie dem hündischen Volke ge—
wünscht, auch die Schande, in der wir uns wälzten, mußten
sie kosten. Ich erfand die prächtigen Kagden, wo die hüb—
schen Weiber und Töchter der Elenden die Treiber, dann das
Wild machen mußten. Haha! nun hatte die Bande doch
nichts mehr voraus vor uns. Das waren meine schönsten
Zeiten, ich befriedigte meinen Haß, meine Lust und meine
Geißelhiebe stachelten zugleich die Masse auf gegen Diejeni—
gen, die ich nun hasse und verderben will. Sie fühlen end—
lich ihr Elend und ihre Schande und sind vorbereitet zu
dem, was da kommen muß — kommen wird.“
Destner, der die letzten, rätselhaften und gewiß inhalt—
schweren Worte der Zigeunerin nicht begriff, sie nur für
einen ungewöhnlichen Ausdruck ihres verhaltenen Grimms
nehmen mochte, dafür aber um so lebhafter sich der ver—
gangenen Jahre, des Anfangs ihrer beiderseitigen Glücks—
zeit erinnerte, sagte er sinnend:
„Allerdings, Jana, hast Du viel gethan und ich habe
Dich oft bewundert, wenn Du mir auch manchmab Schrecken
einflößtest.“
Jana schaute ihn groß an, sie hatte wohl eine andere
Antwort erwartet, doch auch sie kehrte unwillkürlich zu ihrer
ersten Gedankenreihe zurück und fuhr fort:
„O, ich habe noch mehr — viel mehr gethan! Ich
will es Dir an den Fingern herzählen und dann wollen wir
die Summe ziehen. Als ich fühlte, daß ich den Mann, von
dem unser Aller Geschick abhing, der nur allein vermöchte,
meinem Wollen und Wünschen Gestalt zu geben — daß ich
nicht mehr im Stande sei, ihn vollständig zu fesseln, da
machte ich es — wie kluge Weiber es vor mir gemacht.
Tie schönsten und jüngsten Mädchen unseres Stammes ver—
sammelte ich um mich — in den fahl gewordenen Zelten
ringsum altern sie jetzt und fluchen ihm! — und Tänze
mußten sie ihm aufführen, die seine Augen blendeten, sein
Blut zum Sieden brachten und — ihn mir abermals als ge—