das Auge hat sein Feuer behalten, wenn es auch nicht mehr.
wie früher, in sinnlicher Glüt, sondern wie das eines katzen—
artigen Raubtieres beleuchtet. Doch auch die Stimme ist
dieselbe mächtige geblieben, denn voll und tief klingt das,
was sie sagt, wie auch der Ausdruck der wenigen Worte be—
weist, daß ihr Selbstbewußtsein, ihre Energie und wohl auch
ihre Klugheit sich nicht allein gleich blieben, sondern eine
Steigerung erfahren haben. Ob ihr Hassen und Lieben noch
immeér dasselbe ist? Wer weiß es! und ob das Herz des
Weibes überhaupt noch irgend eine Liebe hegt, nicht allein
nur dem Haß geweiht ist.
„Du bist es, Destner,“ sagte Jana langsam, ihre Ueber—
raschung und wohl auch ihre Freude über das unerwartete,
doch wohl willkommene Erscheinen ihres ehemaligen Gelieb—
ten und Geuossen geschickt verbergend. „Bist lange von
mir weggeblieben, und dachte ich schon, auch Du hättest
mich, die Gestürzte, Aufgegebene, über dem neuen Gestirn
an Eurem erbärmlichen Hofhimmel, der schalen, bleichen
Fratze, der Efebeck, die Satan verdammen möge, vergessen.“
„Wenn Dich eine schlechte Nachricht über Deine Nach—
solgerin in bessere Laune zu versetzen vermag, mein brauner
Schatz,“ entgegenete Destner mit cynischem Lachen, „so will
ich sie DTir als Willkomm bieten. Die Esebeck hat ausregiert,
wenn sie auch heute noch in ihren Appartements den Her—
F und seine ganze hündische Hofklique zu ihren Füßen
sieht.“
Jana wollte aufschreien, doch besaun sie sich wohl noch
zur rechten Zeit — oder mochte sie die Nachricht nicht für
bedeutsam genug halten, um einen Freudenruf darüber aus—
zustoßen. Sie blieb ruhig und sagte gleichgiltig:
„Was nutzt es uns?! Ist es die Esebeck nicht, ist es
eine Andere — aber Keine der Unseren, oder über die wir
irgend einen Einfluß ausüben könneun“
„Wer weiß!“
„Unsere Zeit ist vorüber, Destner, vorbei! — vielleicht
auch mein Wünschen und Streben. Wie es mit Dir steht,
was Du denkst und hofftest — kümmert mich nicht mehr.“
„Was war, soll wiederkehren.“
„Lüge! Tenn Du hast nichts verloren, bist noch immer
der allmächtige Ratgeber Deines Herrn.“
„Dir, Jana, soll es wiederkehren.“
Die Zigeunerin zuckte die Achsel.
„Was ich nicht vermochte,“ sagte sie verächtlich, „Du
wirst es nimmer zu Wege bringen. Und dann, lohnt es sich
der Mühe, zurückzurufen, was vergangen ist? Blick' um