Full text : Der Karlsberg

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denn den Kopf gesenkt, verfolgte er sinnend, doch raschen
Schrittes einen bestimmten Weg.
Vor dem Schlosse und sämtlichen auf einer Linie auf
der Höhe liegenden Gebäuden zog sich eine breite Linden—
allee hin, die an ihrem einem Ende mit der Höhe und den
Bauten ihren Abschluß fand, mit ihrem andern sich mit
dem Walde vereinigte. Letztere Richtung schlug Destner ein.
An der herrlichen Orangerie, die den reichen Theatersaal
barg, der danebenliegenden palastartigen Kaserne der Che—
vauxlegers, ging er vorüber und bog endlich in eine gleich
breite Nebenallee ein, die durch Gartenanlagen in französi—
schem Styl nach einem andern Teil des Waldes führte.
Die beschnittenen grünen Hecken lagen teils in tiefem
Schatten, teils wurden sie von dem bleichen Licht des Mon—
des beschienen, das die zahlreichen Statuen geisterhaft be—
leuchtete und aus ihrer fahlgrünen Umgebung hervoöortreten
ließ. Eintönig plätscherten und rauschten die Wasser in den
Springbrunnen, von den künstlichen Felsen, zu
den dunklen Grotten herab und unterbrachen unheimlich die
tiefe Stille der Nacht. Der einsame Wanderer achtete nicht
darauf, rastlos verfolgte er seinen Weg. Hohe steinerne
Balustraden, zierliche und luftige Traillagen mit leichten
grünen Ranken und Blüten bedeckt, welche ihre Kelche vor
dem magischen Lichte des Mondes zitternd geschlossen hiel—
ten, begrenzten diese altfranzösischen Gartenanlagen;
ihnen entlang zogen sich neue Alleen, führten weiter zu dem
Walde und wohl auch zu den andern Wundern dieser fabel—
haften Refsidenz. Fast eine halbe Stunde mochte Destner
seinen Weg sortgesetzt haben, als er plötzlich die Schritte
hemmte. Ein lautes: „Halt! Wer da?“ tönte ihm entgegen,
und aus dem Schatten der Bäume traten zwei herzoögliche
Grenadiere mit gefälltem Bajonett auf ihn zu. TDestner be—
fand sich vor einem mächtigen hölzernen Thor von fanatisch—
ster Form und bunt mit Farben und Gold bemalt, an das sich
zu beiden Seiten auffallend hohe und feste Plankenwände
schlossen, die ebenfalls mit seltsamen Figuren und Tieren
bemalt waren, und einen großen Waldkomplex einzuschließen
schienen. Die nackten Gestalten auf der Holzwand, welche
sich in den Kronen der Bäume verloren, die gemalten Rie—
sen, Kobolde von fratzenhaften Formen, die sabelhaften gräu—
lichen Trachen, geflügelte Schlangen und andere Ungeheuer,
maächten in dem fahlen Mondlichte, und besonders dort, wo
sie durch die Schatten leuchteten, einen wahrhaft unheim—
lichen Eindruck und selbst Destner, der den Ort wohl kannte,
konnte sich einer unbehaglichen Grimasse nicht erwehren.
            
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