Full text : Der Karlsberg

Seinigen mit bestem Beispiel voran. Die Lustigkeit wurde
eine allgemeine, laute, dann lärmende und der weite „cour
dhonneur“ der Residenz erklang bald wieder von dem lauten
Scherzen und Lachen der Freude, dem Genuß huldigende
Höflinge.
In' den zahlreichen anderen palastartigen Gebäuden, den
Kasernen, Jägerhöfen, herrschte fast ein gleiches Leben, hier
wurde gespielt, gezecht und gesungen und auch geliebt, der
Herzog hatte es in Gnaden gestattet: wenn er sich freute,
dursten, sollten seine Leute sich auch freuen, und diesem an—
genehmen Befehl kamen Soldaten und Jäger, Lakaien und
andere Bedienstete nur zu pünktlich nach. Der Herzog war,
wie man sieht, ein gar väterlicher Regent und denngsch
nannte das Volk ihn — den „schlimmen Karl“. Die Un—
dankbaren!
Nur die vielen Posten an allen Thoren und Thüren
aufgestellt, nahmen keinen Teil an der allgemeinen nächt—
lichen Lust. Toch auch ihre Stunde kam, denn auf dem
Karlsberg hat jeder Tag seine Freuden, wie auch jede Nacht
die ihrigen. Die Wachestehenden kamen nicht zu kurz, muß—
ten nur warten und deshalb erfüllte die laute Fröhlichkeit,
welche von allen Seiten durch die stille Nacht auf sie in—
drang, sie nicht mit Leid, wohl aber mit einem Vorgeschmack
der auch ihrer harrenden Freuden.
Aus einem der hellerleuchteten Portale des Schlosses,
unter den Appartements gelegen, wo das fröhliche Souper
stattfand, trat ein Kavalier auf den Schloßhof hinaus. Die
dienstfertigen Lakaien wies er befehlend zurück und schritt
auf das große Thor von verschnörkelten Eisenstäben zu.
welches mit einem langen Gitter von gleicher Form die beiden
Seitenflügel verband und den Hof abschloß. Die wache—
haltenden Grenadiere zogen die Gewehre an und machten
dem Turchpassieren nach Rang und Gebühr die Honneurs.
Sie hatten ihn im Lichte des Mondes wohl erkannt und
wußten, wie alle Bewohner der weitläufigen Residenz, daß
der Forstmeister Destner, wenn er auch nicht von Adel und
mit hohen Titeln begabt, doch eine der einflußreichsten Per—
'onen des Hofes war.
Testner hatte sich aus dem höfischen Kreise in dem
Augenblicke hinwegbegeben, wo der Wein und die allge—
meine Lustigkeit die Gesellschaft samt ihrem Haupte zu be—
herrschen begonnen und er wohl annehmen durfte, daß man
seine Entfernung nicht bemerken werde. Fand er kein WVer—
gnügen mehr an solchen Gelagen, oder wollte er die Nacht
zu Wichtigerem benutzen? Letzteres schien der Fall zu sein.
            
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