Full text : Der Karlsberg

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Viertes Kapitel.
In der Mondnacht.

Die Nacht war gekommen; Diana war dem ihr geweihten
Tage heute ganz besonders hold, denn in seiner vollen
keuschen Schönheit prangte das Gestirn, als dessen Göttin
sie galt, an dem nächtlichen tiefblauen Himmel. Sein ruhi—
—A
Thal, drang in die Höfe und Gallerien des Schlosses, wie
in die Lichtungen des Waldes, und wie die Schatten sich
in scharfen Linien von der matten Helle abhoben, so stand
auch das Treiben und Lärmen in dem Schloß und seinen
bielen Nebengebäuden in grellem Gegensatz zu der tiefen ge—
heimnisvollen Ruhe die überall in dem Bereich des zau—
bertischen Vichtes herrschte. Im Schloß erglänzte eine ganze
Reihe meistens offener Fenster in der rötlichen Helle der
Wachslichter, und fröhliches Plaudern, lautes Lachen, wie
das helle Klingen der Gläser drang daraus hervor in die
Sommernacht. Das herzogliche Souper, mit Zeremonien
wie die französische Hofetiquette vorschrieb, begonnen, hatte
mit den voranschreitenden Stunden der Nacht den hier ge—
wöhnlichen Verlauf genommen. Alle Etiquette war nach
und nach über Bord geworfen, der Wein löste ihre Bande
und zugleich auch die Zungen der Gäste, und nur der rau—
schenden Freude, dem Genuß wurde gehuldigt. Der dicke
herzogliche Oberhof- und Zeremonienmeister, Herr Niklas
Ganz von und zu Schellhorn hatte mit stillschweigender
Billigung seines gestrengen, doch sehr vergnügten Herrn
und Gebieters das Zeichen zur allgemeinen unzeremoöniell—
sten Lustigkeit gegeben, indem er seinen goldenen Stab der
Königin des Festes und des Abends, jener schlanken, schö—
nen und stolzen Tame, die allein in dem hübschen Jagdwagen
heimgefahren, Frau Juliane von Esebeck, zu Füßen gelegt,
die alsdann das Werkzeug schnöden Zwanges mit Hilfe
ihres Pariser Pantöffelchens und unnachahmlicher Grazie un—
ter Jautem Beifall des Hofes weit hinweg in eine Ecke ge—
schleudert. Mun durfte Jeder seiner eigenen Natur tund
seinen Trieben folgen, und hier ging wieder der Herzog den
            
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