Full text : Der Karlsberg

nen Zügen hatte einen ganz ungeheuren Ein—
druck auf den Fürsten gemacht, nicht allein weil die Er—
scheinung eine wahrhaft verführerische gewesen, sondern weil
sie ihn lebhaft an vergangene Zeiten, an die schönsten, ge—
nußreichsten Tage seines Lebens erinnerte. Das war das
Ebenbild Jana's, der Zigeunerin, die so lange den ge—
waltigsten Einfluß auf sein Leben und sein Herz, sein Han—
deln und Fühlen ausgeübt, nur jugendlich schöner, idealer
war ihm das fremde braune Mädchen erschienen. Wer war
es, der Herzog hatte das Gesichtchen noch nie in seiner Um—
gebung gesehen, und er glaubte, doch die weiblichen Bewoh—
ner seines Hofes, wie des ganzen Landes zu kennen. Eine
fast sieberhaste Aufregung bemächtigte sich seiner, denn Dest—
ner wollte noch immer nicht kommen, und ihn hatte er doch
ausgeschickt, beauftragt, nach der Fremden zu forschen und
ihm sofort Nachricht zu bringen.
Doch auch den Forstmeister Destner beschäftigte die Er—
scheinung Elsas und wohl nicht minder als seinen Herrn,
den Herzog, wenn auch in ganz anderer Weise. Auch er
hatte in der Fremden sofort das Ebenbild Janga's zu er—
kennen geglaubt und sich zugleich, nach langen Jahren zum
ersten Mal wieder erinnert, daß seine ehemalige Gefährtin,
die der Brauch seines Stammes ihm zum Weibe gegeben,
ihm ein Kind, ein Mädchen geboren, an das er feit jener
Zeit, wo eine so gewaltige Umwandlung mit ihm und, be—
sonders mit Jana vorgegangen, nicht mehr gedacht. Un—
willkürlich halte er den Lauf seines Pferdes gehemmt, um
solchen Gedanken besser nachhängen zu können. Nie war
des Kindes zwischen ihm und Jana erwähnt worden, und
doch hatte er noch oft Gelegenheit gehabt, mit der ehemaligen
Geliebten vertraulich zu verkehren, zu reden, trotzdem sie
die eigentliche Herrscherin über den Herzog und sein Land
geworden. Tas Kind war verschwunden, längst schon tot, es
mußte so sein — es war so! denn das braune Mädchen
mit der entsetzlichen Aehnlichkeit war ja die Tochter des
alten halbblinden Förstets Dümmler, der in der Nähe des
Schloffes wohnte und den er seit Jahren nicht gesehen, weil
er fich nie besonders um den Mann gekümmert. Jetzt er—
innerte er sich, daß Dümmler der Kinder drei hatte, zwei
Mädchen und einen Sohn, der durch die Gnade des Herzogs,
der immer eine Schwachheit für den alten Tümmler be—
zeigt, Förster im Jägersburger Walde geworden. Es war
Line Täuschung seiner Sinne und bald mußte er hellauf
lachen über die abenteuerlichen Gedanken, welche die Be⸗
gegnung in ihm wachgerufen — und dennoch! dennoch kehr—
            
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