Full text : Erste Unterweisung in der Bergbaukunde nach dem Heft des kaiserlichen Bergmeisters Serlo zu Metz für die Saarbrücker Verhältnisse

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einem kleinen blauen Saum umgeben zeigt, welcher bei Zunahme des Gasgehaltes bis
zu einem blauen Flammenkegel (Aureole) wächst und später den Drahtkorb der Wetter—
'ampe vollständig ausfüllt.
Bei 62/, 0, Gasgehalt entzünden sich die Wetter, bei weiterem Steigen tritt
Explosion ein, welche je nach dem Gehalt immer heftiger wird und bei 10 bis 1100
hre größte Stärke erreicht, während sie bei weiterem Steigen wieder schwächer wird,
his bei 331/3 0,, die Gasflamme wegen Mangel an Sauerstoff erlischt. Dann tritt
bei den Menschen Kopfschmerz und Betäubung ein, während man vorher die gruben—
gashaltigen Wetter ohne Beschwerde einatmen konnte. Durch die Explosion werden
zleichzeitig gesundheitsschädliche Produkte der Verbrennung, wie Kohlensäure und
dohlenorydgas, erzeugt und den Grubenräumen zugeführt, welche man „Schwaden“ oder
Nachschwaden“ nennt.
Neben diesen Gasen ist der Kohlenstaub gefährlich, welcher sich in trockenem Zu—
tande, bei großer Hitze von selbst entzündet. Besonders veranlassen auch die nicht
verfenden Schüsse (Lochpfeifer) die Entzündung des Kohlenstaubes. Um denselben
inschädlich zu machen, kennt man bis jetzt als einziges Mittel die künstliche Bewässerung.
Der Wetterzug in der Grubc entsteht dadurch, daß spezifisch schwere Luft die leichtere
derdrängt. Es beruht dies entweder auf natürlichen oder auf künstlich hervorgebrachten
Temperaturunterschieden, sowie auf Verdünnung oder Verdichtung der Luftmassen durch
saugende oder blasende Wettermaschinen. Die Wettermenge, welche eine Grube durch—
zieht, wächst mit dem Querschnitt und mit der Geschwindigkeit. Letztere läßt sich ver—
größeren durch Vertiefung des Schachtes oder Vermehrung des Unterschiedes zwischen
den Luftdichtigkeiten zweier Schächte, also durch Verdünnung der einen und Verdichtung
der anderen Luftsäule, sei es durch Erwärmung bezw. Abkühlung, sei es durch Aus—
faugen bezw. Verdichten.
Die Zunahme des Querschnittes erreicht man durch genügende Weite der Schächte
ind Strecken, hauptsächlich aber durch Theilung des Wetterstromes und dadurch, daß
jsedem Theilstrome ein besonderer Weg gegeben wird. Dabei sind Verengungen und
Krümmungen zu rermeiden, weil diese auf die Geschwindigkeit ungünstig wirken.
Letztere beträgt im Allgemeinen in den Wetterfstrecken 4 m, in den Abbauen 1 mm in
der Sekunde.
Wettermessungen werden vorgenommen entweder ohne Apparat, indem man eine vorher
abgemessene Entfernung (400 m) so schnell mit offenem Licht durchschreitet, daß die
Flamme gerade steht (die Zeit, in der der Weg zurückgelegt wird, entspricht derjenigen,
velche die Wetter brauchen) oder vermittelst Apparaten (Anemometer), welche derartig
onstruirt sind, daß sich die Bewegung eines dem Wetterzuge ausgesetzten, leicht empfind—
ichen Flügelrades auf ein Uhrwerk überträgt, dessen Zeiger auf einem Fifferblatt die
Beschwindigkeit angeben.
Der natürliche Wetterzug hat im Sommer und Winter nicht die gleiche Bewegungs—
richtung, er setzt im Frühjahr und Herbst um. Es kann nämlich die Störung des Gleich—
zewichts an der Einströmungs- und Aus-Strömungs-Oeffnung der Wetter ohne künst—⸗
liche Hülfsmittel nur dadurch herbeigeführt werden, daß man beide Oeffnungen in ver⸗
schiedene Höhe legt. Während die Temperatur der Tagesluft wechselt, bleibt diejenige
            
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