Full text : Erste Unterweisung in der Bergbaukunde nach dem Heft des kaiserlichen Bergmeisters Serlo zu Metz für die Saarbrücker Verhältnisse

eiserne Leitungen anwendbar. Die letzteren werden auf 2 Seiten von Gleitbacken
berührt, deren Reibung bei Zunahme der Fallgeschwindigkeit wächst; dabei stemmen sich
die Gleitbacken gegen federnde Schienen und werden durch die letzteren wiederum stärker
angedrückt, bis die lebendige Kraft aufgezehrt und der Korb zum Stillstand gebracht ist.

VIII. Wetterführung.

277. Wetter nennt der Bergmann die in den Grubenbauen befindliche Luft, nebst den in ihr
enthaltenen Gasen. Gute Wetter sind solche, die annähernd die Zusammensetzung der
atmosphärischen Luft haben (79 Raumtheile Stickstoff, 21 Raumtheile Sauerstoff).
Schlechte Wetter sind solche, welche für Leben und Gesundheit gefährlich sind. Man
interscheidet matte und böse Wetter.
Matte Wetter entstehen durch Entziehung von Sauerstoff, welcher verbraucht wird
durch die Belegschaft, die Lichter, die Pferde, ferner durch Oxydation des Schwefel—
kieses, durch anderweitige chemische Prozesse und durch Verfaulen des Holzes. Man
ꝛrkennt die matten Wetter daran, daß die Lichtflamme schwächer wird und schließlich
erlischt. Der Mensch empfindet Luftbeklemmung, fauligen Geschmack, Schwäche und
Müdigkeit, bald darauf tritt Schwindel, Krampf und der Tod ein.
Böse Wetter entstehen durch Zutritt schädlicher Gase. Es treten diese hinzu durch
den Athmungsprozeß von Menschen und Thieren, durch Verbrennung, Fäulnißprozeß
und Orxydation, durch Gasentwickelung, aus alten Bauen und aus den Kohlen, sowie
durch Sprengarbeit.
Die wichtigsten schädlichen Gase sind Kohlensäure, Kohlenoxyd, Schwefelwasserstoff⸗
gas und Grubengas. Kohlensäure hat ein hohes spezifisches Gewicht und daher das
Bestreben, sich an der Sohle anzusammeln; sie ist daran zu erkennen, daß beim Vor—
handensein derselben die Lichtflammen augenblicklich erlöschen; sie wirkt tötlich, wenn
die Luft mehr als 556 7, enthält, und entwickelt sich, außer durch den Athmungs—
orozeß, durch das Brennen der Lichter und die verschossenen Sprengmaterialien, in
zrößeren Mengen bei Bränden in Kohlenflötzen.
Kohlenoxydgas entwickelt sich bei unvollkommener Verbrennung in besonders reich—
licher Menge bei Grubenbränden. Es ist deshalb so gefährlich, weil das Licht noch in
ihm brennt, wenn es auf den menschlichen Organismus bereits giftig wirkt, so daß
sein Vorhandensein erst bemerkt wird, wenn die Vergiftung schon eingetreten ist. Es
bewirkt zunächst Aufregung, dann Krämpfe mit Schaum vor dem Munde und schließ—
lich den Tod. Ein Gehalt von 10/, soll schon tötlich wirken. Das Gas wiegt nahezu
ebensoviel, wie die atmosphärische Luft, mengt sich daher mit dieser sehr leicht und
strebt weder nach oben noch nach unten. —
Schwefelwasserstoffgas kommt in alten versoffenen Bauen, besonders in der
Braunkohle und im Steinsalz vor; bei .0“/“o Gehalt kann es schon Explosionen be—
wirken, auch ist es sehr giftig. — Grubengas bildet durch seine Verbindung mit
atmosphärischer Luft „schlagende Wetter“. Bei der Untersuchung mittelst der Lampe
werden die Schlagwetter daran erkannt, daß sich die klein geschraubte Flamme von

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