Full text : Erste Unterweisung in der Bergbaukunde nach dem Heft des kaiserlichen Bergmeisters Serlo zu Metz für die Saarbrücker Verhältnisse

258.

beweglich ist. Die Bahnen sind meistens zweigeleisig, sodaß die vollen Wagen auf dem
einen, die leeren auf dem anderen Geleise in entgegengesetzter Richtung laufen. Beim
Betriebe mit Unterseil oder unterlaufender Kette werden gewöhnlich Züge gebildet, und
die Züge werden mit einer Zange an das Seil angeschlagen. Auf der Streckensohle
ind Führungsrollen angebracht. Bei aufliegender Kette oder Seil werden die ein—
zelnen Wagen in gleichen Abständen von einander entweder durch das Gewicht derselben
mitgenommen, oder es werden Gabeln an den Wagenrändern befestigt, durch deren
schiefe Stellung die Kette oder das Seil festgeklemmt wird. Es giebt auch Seil—
lemmen verschiedener Konstruktionen. Um bei den Seilen die durch das Festklemmen
hervorgerufene Abnutzung zu vermindern, werden dieselben mit Knoten versehen. —
Vor Krümmungen der Bahn läßt man die Wagen zunächst eine schiefe Ebene hinauf⸗
ziehen und sodann mit dem dadurch gewonnenen Gefälle die Krümmung durchlaufen,
vährend die Kette über Rollen geführt wird und erst hinter der Krümmung die Wagen
vieder mitnimmt. — Seil hat gegenüber der Kette die Vortheile des geringeren Ge—
vichtes und der geringeren Kosten bei gleicher Haltbarkeit. Wegen Verminderung der
oten Last kann auch die Antriebsmaschine kleiner genommen werden. —
Bremsberge sind schiefe Ebenen, auf welchen die Förderung an einem Seile oder einer
Kette herabgelassen und die leere Last entweder direkt oder durch ein Gegengewicht auf—
wärts gezogen wird. Die geringste Steigung schwankt zwischen 2 und 10 Grad je nach
der Länge des Bremsberges, der leeren Seilgewichte und der Anzahl der herabgehenden
Wagen. — Eintrümige Bremsberge sind solche, welche nur ein nutzbares Fördergeleis
haben, während auf einem zweiten Geleise ein Gegengewicht auf und nieder bewegt
wird. Das letztere kann nebenlaufend oder unterlaufend sein. Zweitrümige Brems—
berge haben 2 nutzbare Fördergeleise; während auf dem einen die volle Last abwärts
geht, wird gleichzeitig auf dem zweiten Geleise die leere Last nach oben bewegt. — Die
am Kopfe des Bremsberges stehenden Bremshaspel bestehen aus den Seiltrommeln
oder einer einfachen Seilscheibe (Scheibenbremse) mit einer Bremsvorrichtung. Letztere
st entweder eine einfache oder doppelte Backenbremse oder eine eiserne Bandbremse mit
Holzfutter. Die Bremsen müssen durch ein angehängtes Gewicht selbstthätig schließen,
ind die Bewegung darf erst durch Anheben des Gewichtes mittelst eines Hebels erfolgen.
Während die Wagen bis zu einer Steigung von 200 unmittelbar auf den Schienen
aufen, müssen bei stärkerer Steigung Bremsgestelle angewendet werden. Dieselben
bestehen aus einem in der Ebene des Bremsberges liegenden hölzernen oder eisernen
Rahmen mit Rädern, auf welchem eine horizontale Plattform angebracht ist. — Die
Gegengewichte müssen, einschließlich Seil, etwas leichter sein, als die volle Last, aber
schwerer als die leere. Nachdem unten der volle Wagen durch einen leeren ersetzt ist,
zieht das abwärts gehende Gegengewicht die leere Last und das zugehörige Seil auf—
wärts. Die Gegengewichte sind aus einzelnen Theilen zusammengesetzt, am besten sind
es Wagen mit eingeladenen alten Eisenstücken.
Neuerdings wendet man auch bei Bremsbergförderung das Seil ohne Ende an.
Um Unglücksfälle zu verhüten, besteht die Vorschrift, daß die Bremsberge gegen die ein—
mündenden Abbaustrecken mit Schlagbäumen zu verschließen sind. Da das Schließen
häufig vergessen wird, sind verschiedene selbstthätige Verschlüsse konstruiert worden.
            
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