178. Bei flach fallenden massigen Lagerstätten ist eine Ausrichtung von den Schächten
aus manchmal gar nicht nöthig, indem sofort Vorrichtungsstrecken in der Lagerstätte
selbst aufgefahren werden können.
Steil einfallende Lagerstätten müssen von Richtschächten aus mittelst Querschlägen
angefahren werden. Sind mehrere Lagerstätten vorhanden, so fährt man die Quer⸗
schläge bis zur entferntesten auf. Hierbei hat man den saigeren und den flachen
Sohlenabstand zu unterscheiden. Letzterer, die Abbauhöhe, ist von ersterem und dem
Fallwinkel abhängig. Im Allgemeinen wählt man den saigeren Sohlenabstand desto
kleiner, je flacher die Lagerung ist. Zu berücksichtigen ist jedoch dabei die Gebirgs⸗
beschaffenheit, die Abbaumethode und ev. die örtliche Bewohnheit. In plattenförmigen
Lagerstätten schwanken die Sohlenabstände zwischen 8 und 20 m
Die Ausrichtung schreitet überall von oben nach unten fort; während in der oberen
Sohle abgebaut wird, richtet man die nächst untere aus.
Die Vorrichtung von den Schächten oeder den Querschlägen aus besteht bei den platten—
förmigen Lagerstätten darin, daß die Lagerstätten durch streichende und von diesen
aus durch schwebende Strecken in rechteckige Abschnitte getheilt werden. Je nach Er—
forderniß werden diese Abschnitte wiederholt durch streichende (Abbaustrecken) und an—
steigende Strecken (Durchhiebe) in kleinere Pfeiler zerlegt.
Den streichenden Strecken giebt man vom Schachte her etwas Ansteigen, damit
das Wasser abfließt, und die Förderung der vollen Hunde erleichtert wird. Um die
Wetterversorgung zu ermöglichen, treibt man entweder Parallelstrecken, die man von
Zeit zu Zeit durch Durchhiebe verbindet, oder man führt die Strecken breit auf und
führt Wetterscheider nach oder, wie es jetzt im Saarbrücker Bezirk meistens geschieht,
man ventilirt die Strecke u. s. w. besonders, mittelst kleiner Lutten, welche an kleine
Ventilatoren angeschlossen sind. Gewöhnlich führt man die streichenden Strecken vom
Liegenden auf; nur bei starkem Sohlendruck und zerklüftetem Dach läßt man unten
und oben etwas von der Flötzmächtigkeit stehen, „es wird Kohle angebaut“
183. Bei Vorrichtung des Abbaufeldes ist auf das Stehenlassen von Sicherheitspfeilern
zu achten. Es giebt Markscheidensicherheitspfeiler, die Wassereinbrüche, Explosionen
u. s. w. zwischen 2 Werken abhalten sollen, Schacht- und Strecken-Sicherheitspfeiler,
Sicherheitspfeiler unter Flußläufen, Eisenbahnen, Straßen, bebauten Oristheilen
u. s. w. Die Wirkungen des Abbaues auf die Tagesoberfläche (Senkungen) sucht man
durch Bergeversatz abzuschwächen.
Bruchwinkel bildet die Linie, die den Bruch begrenzt mit der Wagerechten. Auf den—
selben muß man bei Begrenzung der Sicherheitspfeiler achten. Er beträat im Stein—
dohlenbergbau 70 80 *.
Der Abbau findet gewöhnlich über der Grundstrecke statt; die gewonnenen Massen
werden abwärts bis zu ihr und dann zum Schachte gefördert. Selten findet Abbau
unterhalb der tiefsten Grundstrecke statt (Unterwerksbau) und zwar dann, wenn sich ein
weiteres Schachtabteufen nicht lohnen würde. In diesem Falle müssen die Massen mit
einem Haspel nach aufwärts gefördert werden, ebenso die Wasser durch Pumpen.
Abbane sind diejenigen bergmännischen Baue, welche der Gewinnung der nutzbaren
Mineralien unmittelbar dienen. Bei Schlagwettergruben liegt es im Interesse einer
—179.