Full text : Erste Unterweisung in der Bergbaukunde nach dem Heft des kaiserlichen Bergmeisters Serlo zu Metz für die Saarbrücker Verhältnisse

153. Die Schächte sind bergmännische Baue von regelmäßigem Querschnitt, deren Richtung
sich der lothrechten nähert. In ebener Gegend sind Schächte zur Ausrichtung von
Lagerstätten unentbehrlich, im Uebrigen werden sie angelegt zur Eröffnung der Tief—
⸗aue unter der Stollnsohle.
Zchächte dienen zur Förderung, zum Einhängen von Materialien und Gezähe, zur
Fahrung, Wasserhaltung und Wetterführung. In den meisten Ländern ist für jedes
Werk die Anlegung von mindestens 2 Schächten und deren alsbaldige Verbindung
unter einander und mit den verschiedenen Bausohlen vorgeschrieben, einerseits um
einen regelmäßigen Wetterwechsel zu gewährleisten, andererseits, um für den Fall,
daß einer der Schächte unfahrbar wird, eine zweite Verbindung mit der Oberfläche
zu haben.
Bezeichnung der Schächte: wenn sie allen oder mehreren der genannten Zwecke
dienen, so nennt man sie Hauptschächte, sonst Förderschacht, Wasserhaltungs-, Wetter⸗
chacht u. s. w., je nach der hauptfächlichsten Bestimmung.
Eingetheilt wird ein Schacht für die verschiedenen Zwecke durch Hölzer (Einstriche)
oder durch wetterdichte Verschläge (Schachtscheider) in Abtheilungen, „Trümmer“ ge—
nannt. Die Trümmer erhalten ihre Namen nach dem Zweck ihrer Bestimmung
Fördertrümmer u. s. w.).
Hängebank oder Tagekranz nennt man die Tagesöffnung eines Schachtes. Um
Haldensturz zu gewinnen, wird die Hängebank in der Regel aufgesattelt, d. h. über
den gewachsenen Boden erhöht. Schachtkopf ist derjenige Theil eines Schachtes,
welcher unmittelbar unter Tage liegt. Die Wände eines Schachtes nennt man die
Stöße; Füllort ist der erweiterte Raum am Schachte, woselbst die auf den Strecken
herbeigeförderten Massen in die Schachtfördergefäße gefüllt werden. Schachtsumpf
ist der tiefste Theil des Schachtes, in dem sich die Grubenwasser ansammeln.
Richtschächte haben lothrechte Stöße, flache oder tonnlägige Schächte werden im
Fallen der Lagerstätte abgeteuft, gebrochene Schächte haben entsprechend dem ver—
schiedenen Einfallen der Lagerstätte in ihren einzelnen Theilen verschiedene Neigung.
Tageschächte gehen von Tage aus nieder, blinde Schächte gehen nicht bis zu Tage,
sondern verbinden mehrere Abbausohlen in der Grube. Ein durch Abteufen her—
gestellter blinder Schacht von geringer Tiefe heißt Gesenk, ein mittels Uebersichbrechens
von einer tieferen Sohle begonnener Ueberhauen.
Stollnschächte gehen nur bis auf die Stollnsohle nieder, Tiefbauschächte erschließen
die Lagerstätte unter der Stollnsohle. Versuchsschächte von kleinen Abmessungen nennt
man Schurfschächte. Vorgeschlagen nennt man einen Schacht, der von Tage her bis
auf die Lagerstätte saiger verteuft ist, dann aber dem Fallen der letzteren folgt. Zwei
in geringer Entfernung von einander abgeteufte Schächte nennt man auch
Zwillingsschächte.
Der Schachtquerschnitt ist rechteckig, quadratisch oder rund, selten vieleckig, bei flachen
Schächten fast immer rechteckig, der lange Stoß parallel zum Streichen der Lagerstätte.
Bei rechteckigen Richtschächten legt man den langen Stoß rechtwinkelig zur Streich—
richtung der Lagerstälten und Schichten, damit der Druck der hangenden Schichten auf
einen kurzen Stoß gerichtet ist. Für Ausbau in Holz ist nur der eckige Querschnitt,
für Mauerung und Ausbau in Eisen auch der runde Querschnitt geeignet. In recht⸗

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