Full text : Erste Unterweisung in der Bergbaukunde nach dem Heft des kaiserlichen Bergmeisters Serlo zu Metz für die Saarbrücker Verhältnisse

113. Für die Untersuchung der Sprengkraft verschiedener Sprengstoffe giebt es verschiedene
Kraftmesser, welche darauf beruhen, daß im Innern eines starkwangigen Bleicylinders
eine Explosion erzeugt und die Größe des durch dieselbe hervorgerufenen Hohlraumes
gemessen wird. Auf Grund der Versuche kann man feststellen, welcher Sprengstoff den
besonderen Anforderungen in dem bestimmten Falle am besten entspricht.
Ueber das Umgehen mit Sprengstoffen bestehen in allen Ländern gesetzliche Bestim—
mungen. Im Besonderen ist es den Bergleuten nicht gestattet, Sprengstoffe und Zünd—
mittel von den Gruben mitzunehmen. Die bezüglich der Schießarbeit erlassenen berg—
polizeilichen Bestimmungen beziehen sich auf die Anschaffung, Fortschaffung und Auf—
bewahrung der Sprengmittel, auf ihre Verausgabung an die Arbeiter und die Ver—
wendung.
Das Sprengpulver besteht aus einem Gemenge von 70 Gewichtstheilen Kalisalpeter,
14 Schwefel und 16 Holzkohle. Es kommt entweder als gekörntes oder als gepreßtes,
komprimirtes Pulver in den Handel. Letzteres wirkt etwas stärker, als das gekörnte.
Die Entzündung der Pulverladung geschieht entweder mittelst Schilfzünder oder
Zündschnur. Gekörntes Pulver darf nur in Patronen von gut geleimtem Papier zur
Verwendung gelangen. Alles Schwarzpulbver zieht Feuchtigkeit an und verliert dadurch
an Sprengkraft.
Nitroglycerin oder Sprengöl ist eine helle ölige Flüssigkeit und wird durch Ein—
wirkung von Salpeter- und Schwefel-Säure auf Glycerin hergestellt. Da bei seiner
Verwendung viel Unglücksfälle vorgekommen sind, so ist sein Gebrauch als Spreng—
stoff in den meisten europäischen Ländern untersagt. Sehr wichtig ist es jedoch des—
wegen, weil aus ihm die Dynamite hergestellt werden. Sprengöl brennt, am offenen
Feuer entzündet, ruhig ab, zur Explosion kann es nur durch einen heftigen Schlag ge—
bracht werden.
Guhrdynamit besteht aus 750/, Sprengöl und 250/5 Kieselguhr (Infusorienerde);
es bildet bei Temperaturen von — 80 0. und darüber eine graubraune, knetbare Masse,
unter dieser Temperatur wird es hart. In kleinen Mengen, im offenen Feuer ent—
zündet, brennt Dynamit ruhig ab, werden größere Mengen auf einmal verbrannt, so
wird dabei eine hohe Temperatur entwickelt, wodurch leicht Explosionen stattfinden
können.
Das Entzünden der Dynamitpatronen erfolgt durch den heftigen Schlag von Zünd—
hütchen mit Knallquecksilbersatz, letztere wiederum werden durch Zündschnur oder
elektrisch gezündet. Je stärker die Zündhütchen sind, desto vollständiger und wirk—
samer ist die Explosion.
Die Wirkung des Guhrdynamits ist etwa 7 mal so stark als die des Schwarz⸗
pulvers, die des Sprengöls 13 mal so stark. Guhrdynamit kann kurze Zeit im
Wasser liegen, ohne seine Sprengkraft zu verlieren, und eignet sich deswegen auch für
nasse Bohrlöcher. Verbleibt jedoch Dynamit längere Zeit im Wasser, so kann eine
gefährliche Ausscheidung von Sprengöl eintreten. Dynamit wird in Patronen an—
geliefert und darf nur in weichem Zustande verwendet werden. Hart gewordenes
Dynamit muß vorher aufgethaut werden. Zuweilen zersetzt sich Dynamit während
der Lagerung, es scheiden sich Tropfen von Sprengöl aus, auch entwickeln sich wohl

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