77. Das Handbohren kann in verschiedener Weise stattfinden: in weicheren Massen (Braun—
kohle, Schieferthon, Steinsalz) wird drehend gebohrt. Der Bohrer ist ein Schlangen—
oder Schnecken-Bohrer, er besteht, wie beim drehenden Tiefbohren, aus einer eisernen
oder stählernen Stange, welche in ihrem vorderen Theile nach Art der Holzbohrer spiral—
örmig gewunden ist und in 2 Spitzen endigt. Am oberen Ende der Stange ist ein Oer
angeschmiedet, mittels eines durch dasselbe gesteckten Holzgriffes dreht der Arbeiter den
Schlangenbohrer und drückt ihn gegen das Gestein. Die Löcher sind etwa 4 cm weit, je
nach der Gesteinsbeschaffenheit werden 50 cin Loch in FX bis z Stunde abgebohrt.
78. Stoßend gebohrt wird mit schweren Meißelbohrern; das hintere Ende der Bohrstange
ist kugelförmig geschmiedet, um bequem in der Hand zu ruhen.
79. In festem Gestein wird mit Meißelbohrer und Fäustel gebohrt. Hierbei ist zu unter—
scheiden einmännisches und zweimännisches Bohren, gewöhnliches Bohren und Schlenker—
hohren. Beim einmännischen Bohren führt ein Mann den Bohrer und auch das Fäustel,
beim zweimännischen Bohren führt ein Mann den Bohrer, ein zweiter das Fäustel. Das
Schlenkerbohren wurde zuerst von Italienern angewendet; man bohrt aufwärts gerichtete
Löcher, indem das Fäustel mit schlaff herabhängendem Arme pendelnd geführt wird.
Das Fäustel besteht aus Eisen mit verstählten Bahnen oder ist ganz aus Gußstahl, es
soll, um das Prellen zu verhüten, ähnlich, wie die Keilhaue, nach einem Halbmesser von
etwa 50 em gebogen sein. Beim Schlenkerbohren werden Helme mit gekrümmter Hand—
habe verwendet oder es wird durch ein Oer des Helmes ein Lederriemen gezogen, welchen
der Mann um das Handgelenk nimmt; auch ist der Helm zuweilen elastisch.
Die Bohrer sind Meißelbohrer aus Gußstahl oder verstähltem Eisen. Die Schneide
ist gerade oder etwas gekrümmt, bei hartem Gestein stumpfer, bei weichem Gestein
schärfer. Beim Schärfen ist die Schneidenbreite genau nach einer Lehre herzustellen.
Der Querschnitt der Bohrerstangen ist wegen des Umsetzens zweckmäßig auadratisch
nit verbrochenen Kanten.
Der Krätzer dient dazu, um das Bohrloch von dem Bohrmehl oder Bohrschmand zu
reinigen, er besteht aus einer runden Eisenstange mit einem kleinen Blatt an der einen
und einem Oer an der anderen Seite. Ist, um das Bohren zu erleichtern und Staub—
bildung zu verhüten, ein abwärts gerichtetes Bohrloch mit Wasser gebohrt worden, so
vird, um das Bohrloch auszutrocknen, durch das Oer des Krätzers ein Lappen gezogen.
Beim Bohren mit Wasser werden auch der Bohrtrog und die Bohrscheibe verwendet;
der Bohrtrog dient als Wasserbehälter, die Bohrscheibe wird über den Bohrer gesteckt
und soll das Herausspriten des Bohrschmandes aus dem Bohrloch verhüten.
Die Bohrmaschinen arbeiten entweder stoßend oder drehend, die bewegende Kraft ist
Menschenkraft (Handbohrmaschine) oder Maschinenkraft (mechanische Bohrmaschinen)
and zwar gepreßte Luft, Druckwasser oder Elektrizität.
85. Unter den Handhohrmaschinen haben sich stoßende bisher nicht einbürgern können,
während sich drehende in milden Gesteinen bewährt haben.
Die Lisbethsche Handbohrmaschine besteht aus einem Schneckenbohrer, dessen Stange
als Schraubenspindel gearbeitet ist. Letztere wird mittels einer Kurbel in einer
Schraubenmutter mit der Hand gedreht, so daß der Bohrer, entsprechend dem Gewinde
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