„Du holdes Kind, ich liebe Dich von Herzen,
„Du bist für mich der Sonne segnend Licht.
„Dein süßes Bild ist mir wie tausend Kerzen,
„Wenn mir des Lebens froher Schein gebricht.
„An Deiner Hand entfliehe ich so gerne
„Der kalten Welt und ihrer Angst und Pein,
„In's hohe Land der Dichtung und der Sterne
„HFu einem bessern, einem schönern Sein.“
Da sank ihr Auge liebreich auf mich nieder,
Wie es das Leben uns nur Ein Mal giebt,
Es war wie Sphärenklang und süße Lieder,
Als ihre Lippe sprach: „Du bist geliebt!“
Das war ein hohes, seliges Empfinden,
Als ob der Frührothschein am Himmel loht.
Mit Worten ist es niemals zu ergründen,
Der jungen Liebe heilig Morgenroth.
—15.
Es glänzt der Himmel heut' in heller Schöne,
Die Flur erglühet unter seinem Kuß,
Ein stilles Ahnen geht durch uns're Seele,
Und jeder Blick ist lieblicher Genuß.
So steh' ich heut' im hellen Maienglanze,
Im Sonnenlicht auf waldgekrönter Höh',
Auf Blüthengrunde unter blauem Himmel,
In Frühlingslust, wohin ich immer seh'.