Full text : Im Mai 1888

Und wenn es domnert und blitzt umher
Seitdem auf meinen Wegen,
Ich habe mit Wein gestillt das Meer,
Und bin nie unterlegen.

.
Sonniger Thalgrund zur Mittagszeit,
Duftige Berge, so nah und so weit;
Sehnsucht im Herzen; ich weiß nicht, wohin
Cocken das Thal und die Berge den Sinn.
Rauschet der Gießbach durch Waldesgrün,
Wissen die Wolken, weß' Weges sie ziehn?
Mädchen, was hüpf'st du zu Tanz und zu Spiel?
Neckt dich ein seliges, träumerisch Siel?
Thäler und Berge und Mädchenblick
Cässet der Wand'rer am Wege zurück,
Flüsternde Waldnacht und rauschenden Bach.
Ewig, ach, zieht uns die Sehnsucht nach.

12

Ich stand vor ihr im Stolz der Jugendijahre,
Vom Duft der Rosen und vom Lenz umweht.
Ich sah ihr in das Aug', das dunkle, wahre,
Als es mich schüchtern, liebend angefleht.
Da zog es mir in's Herz mit tausend Blüthen,
Ich fühlte tief der Seelen Harmonie.
Und als die Wangen ihr so rein erglühten,
Da beugte schüchtern ich vor ihr das Knie.
            
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