Full text : Im Mai 1888

F

Innern dieses Berges stand ihr
Goldnes Schloß. In milden, schönen
Nächten trat sie aus der Felsen
Spalten auf den Hexenstein. —
Es war aber wunderbar und
Zaub'risch ihr dunkle Schönheit.
Cang umwogten schwarze Haare
Ihren schneeweiß üpp'gen Körper.
An den Händen, in den Locken
Funkelten die Diamanten.
Doch noch tiefer wie der Sterne
Himmlisch Leuchten, so erglänzten
Ihrer Augen dunkle Blicke.
Und dann saß sie auf dem Steine,
Von des Mondscheins Strahl umgossen,
Sang mit ihrer Götterstimme
Ihre Lieder aus der Heimath
Mit den fremden Griechenlauten;
Sang in wunderbaren Weisen
Bald in Schmerz und bald in Freude
Von der südlich heißen Liebe
In Arkadiens sel'gen Auen.
Und wer ihren Tönen lauschte,
Ward ihr eigen ohne Gnade.
Doch wir bitten dich hier, Weimann,
Höre auf mit deinem Malen,
Machst rebellisch sonst das Herz uns.
Seid ihr Männer? Standhaft vor der
Waldfrau'n Schönheit sollt ihr stehen!
            
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