Full text : Feierabend-Stunden

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als in diesem Augenblicke, wo er zum ersten Male seiner
Seele tiefsies Empfinden so offen und frei ihr zu erkennen gab.
ODtto! Otto!“ warnte sie lächelnd, „ich muß fast glauben,
daß auch Du Deinen Theil haben willst, an dieser geträumten
Zukunft des Vaterlandes!“
„Bei Gott! das will ich“, rief dieser, „aber Dich, meine
geliebte Maria, nehme ich auf alle Fälle mit in den Kauf,
mag da kommen, was da will.“
„Wie soll ich das verstehen? Was glaubst Du, was
noch kommen könnte?“
„Ich glaube“, entgegnete der junge Mann, das gelockte
Haar von der ernsten Stirne streichend, „daß wir an einem
Wendepunkt der Geschichte unseres Vaterlandes stehen und
daß wir auch in Deutschland Stürmen entgegensehen, von
denen die Julirevolution und die Kämpfe in Polen nur
schwache Vorboten gewesen sind. Diese Bundestagswirth—
schaft kann nicht ewig dauern, durch welche alle Männer in
das Gefängniß und in die Kassematten geführt werden,
welche es wagen, für das unterdrückte Recht ihre Stimme
zu erheben! Ja, es ist eine Schmach und Schande, die edelsten
Maänner im Gefängniß oder in der Verbannung schmachten
zu sehen.“
Dora hörte wie träumend zu, als jedoch Flemming
schwieg, reichte sie ihm die Hand und was ihr Mund nicht
zu sagen wagte, schimmerte in einer Thräne, welche in ihren
Augen erglänzte.
„Ich fühle Ihren ganzen Schmerz mit, Fräulein Dora“,
sprach der junge Mann mit tiefem Gefühl, „deun ich betrachte
Friedrich Bartholdy auch als ein Opfer jener fluchwürdigen
Bundestagswirthschaft — ob er schuldig oder unschuldig
leidet ist gleich, er ist und bleibt eines ihrer Opfer wie so
Viele, die mit ihm das gleiche Schicksal theilen.“
Weßhalb er sich nicht noch rechtzeitig aus, dem Staub
gemacht hat, das ist es, was ich noch immer nicht begreifen
kann“, warf Maria ein.
„Weil er sich keines Vergehens bewußt ist“, entgegnete
Dora, „und weil er glaubte, durch die Flucht den Schein
            
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