Full text : Feierabend-Stunden

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ihren geheimsten Gedanken soeben vielleicht unbewußt Aus—
druck verliehen hatte. Eine lange Pause tiefen Schweigens
trat ein, bis Maria mit dem Vorschlag herauskam, den Kaffee
wieder im Garten einzunehmen, was auch von den übrigen
Anwesenden mit Freuden angenommen wurde.
Während dieses in den Raͤumen von Siegfrieds Wohnung
sich abwickelte, spielte sich in dem hinteren Theil des Schlosses,
in dem engen Raume, wo Friedrich Bartholdy saß, eine
andere Scene des Dramas ab, von dem wir einen Theil
schon mit angesehen haben. Zu ganz ungewohnter Stunde
offneten sich Schloß und Riegel und Ferdinand trat schüchtern
zu dem Gefangenen heran. „Herr Bartholdy“, sagte er nach
kurzem Gruß, „ich komme zu Ihnen aus freien Stücken, um
Sie um Vergebung zu bitten für das Unrecht, das Ihnen
diesen Morgen durch mich, so weit ich die Ursache desselben
war, widerfuhr. Ich war in einer Täuschung befangen, indem
ich glaubte, die Rose sei mir von schöner Hand zugeworfen
worden, während sie vielleicht nur durch einen Zufall her—
nieder fiel. Ich beklage diesen Irrthum und Alles, was ihm
folgte, von Herzen; es war eben eine Täuschung, von welcher
ich aber seit einer Stunde vollständig geheilt bin. Wie
gesagt, Herr Bartholdy, ich war ein Thor; ich hielt Herzens⸗
güte und Freundlichkeit, wie sie mir von Fräulein Maria
zu Theil wurde, für Liebe und war schwach genug, wie mir
Herr von Drach auch vorstellte, die heilige Flamme der
Liebe in einer Sphäre zu suchen, wo unser Einer entweder
zum Narren gehalten, oder schließlich als Betrogener dem
Hohnlachen der Welt preisgegeben wird. Ich bin vollständig
kurirt und habe hier nur noch den einzigen Wunsch, Ihre
Vergebung, Herr Bartholdy, zu erlangen. Zürnen Sie mir
nicht, ich bitte Sie darum, Herr Bartholdy, und wenn Sie
es können, dann reichen Sie mir die Hand, — meine Tage
sind hier gezählt. ...“
Friedrich stand auf; mit Theilnahme sah er dem Wärter
in das Angesicht; ein ernster Schmerz, der Schmerz einer
verlornen Liebe, die er so lange in seinem Herzen still
herumtrug, spiegelte sich so aufrichtig in dem nicht unschönen
            
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