Full text : Feierabend-Stunden

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den Vorfall dem Gefangenen gegenüber aussprach und auch
noch dazu die Hand reichte mit der Versicherung, dafür
Sotge tragen zu wollen, daß, so lange er — Herr von Drach
nooch hier sei, ähnliche Ungehörigkeiten nicht mehr vor⸗
kämen. Das Alles schien dem verliebten Ferdinand, kein
gutes Zeichen zu sein und verstimmt und abgekühlt folgte
er dem Gefangenen und lieferte denselben dem Oberschließer
aus, der noch keine Ahnung von dem Vorgefallenen hatte
und den ganz besonders seiner sorgsamen Obhut Empfoh—
lenen wieder in seine einsame Zelle einschloß.
Nachdem der Gefangenwärter Ferdinand dem Director
gegenüber seine Aussage gemacht und —, zu seiner Ehre sei
ss“ gesagt, ohne Uebertreibung — gemacht hatte, frug ihn
Herr von Drach, woher er es denn wüßte, daß die herab⸗
Fefallene verhäügnißvolle Rose für Jemand bestimmt und
gerade für ihn bestimmt gewesen sei? da fing Ferdinand an,
Liwas verlegen zu werden und aus seiner beleidigten Amts—
würde zu fallen. Der Director jedoch schien es heute ganz
besonders darauf angelegt zu haben, in die innersten Herzeus—
geheimnisse des verliebten Untergebenen dringen zu wollen.
Sltreng und mit mehr Ernst als zuvor frug er: „Hat Dir
denn Fräulein Maria jemals ernste Veranlassung gegeben
zu der Annahme, sie würde sich mit Dir vom Fenster aus
in der Blumensprache unterhalten? Wie? Ich verlange hierüber
eine bestimmte Autwort!“ rief endlich Herr von Drach, als
noch immer schweigend und verlegen auf alle diese Fragen
der Wärter vor ihm stand.
„Gnödiger Herr!“ stammelte derselbe endlich, „Fräulein
Maria, in allen Ehren genannt, ist immer wohlwollend
und gut gegen mich, obgleich ich nichts von der Blumen—
sprache junger Mädchen verstehe, so glaubte ich dennoch
heute Morgen annehmen zu dürfen, sie wollte auch diesmal
wieder mir einen kleinen Beweis ihrer Güte und Freund—
lichkeit geben — und das war der Grund, daß ich die Blume
dem Gefangenen entreißen wollte, und zudem sagt ja die
Gefängnißordnung, daß während ihres freien Umhergehens
die Inhaftirten mit Niemand verkehren, mit Niemand sprechen
            
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