Full text : Feierabend-Stunden

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fand er einen Grund für den Zweck ihres plötzlichen Auf—
tauchens; daß Dorothea aber nicht ohne ein bestimmtes Ziel
im Auge zu haben nach ** kam, das war ihm klar. Da—
für kannte er das kluge und muthige Mädchen gut genug;
kein Wunder also, daß Friedrich mit nicht geringer Span—
nung und Unruhe der weiteren Entwicklung der Dinge, die
da kommen sollten, entgegen sah.
Endlich verkündete die Schloßuhr die zehnte Morgen—
stunde und mit dem letzen Schlag rasselten die Schlüssel des
Gefangenwärters, die Riegel wurden zurückgeschoben und
Friedrich durfte eine Stunde lang sich im Gefängnißhof er—
gehen — eine Begünstigung, welche ihm heute doppelt werth
erschien. Langsam durchwanderte er den großen weiten Raum,
ohne etwas besonderes wahrzunehmen; es war Alles auch
heute wie an jedem anderen Tag; er sah und hörte nichts,
als seinen Wächter, der anscheinend achtlos in der Entfer—
nung ihm folgte. Gelangweilt und müde ließ sich der Ge—
fangene endlich auf eine Ruhebank von rothem Sandstein
nieder, welche an einem alten Bau angebracht war, der noch
einen Theil der ehemaligen Abtei bildete, welche in früherer
Zeit frei im Beringe des festen Schlosses lag. Erst in
neuerer Zeit war die Abtei theilweise niedergerissen und mit
dem letzteren vereinigt worden, bis in ihren Wandlungen
Schloß und Abtei zu einer Art Festung und endlich zum
Staatsgefängniß umgeschaffen worden waren. Zerstreut
schaute Friedrich dem Fluge der Schwalben nach, welche
zwitschernd den Hof durchflogen; sein Wächter indeß machte
sich mit einer großen Bulldogge zu schaffen, die bei dem
Nahen des Gefängnißwärters mit freudigem Bellen an seiner
schweren Kette hin und her sprang. „Forza“ war der be—
ständige Begleiter Maria's auf ihren Gaͤngen in die nähere
und fernere Umgegend und der Hund hing mit sichtlicher
Treue an dem Maͤdchen, welches auch seinerseits dem schönen
Thier durch Schmeicheleien und manchem feisten Bissen diese
zu vergelten wußte. Das hatte sich der junge Aufseher wohl
gemerkt; es war ein noch junger aber eitler Mensch, welcher
in Folge mehrerer Subordinationsvergehen und Windbeu—
            
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