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die Schloßuhr längst die siebente Morgenstunde verkündet,
aber noch immer ließ sich nichts vernehmen. Da endlich
hörte er wie der Schließer sich nahete; die Gefängnißschlüssel
rasselten, Thüren wurden auf- und wieder zugeschlossen, bis
endlich dann auch von seiner Thüre der große eiserne Riegel
weggeschoben und das Schloß geöffnet wurde. Mit einem
kurzen „Guten Morgen!“ trat sein Wächter ein und blieb,
wie gewöhnlich neben dem Eingange stehen, um die Dienst—
magd mit dem Kaffee einzulassen. Doch diesmal war es
nicht die mürrische Alte mit dem finsteren verwitterten Ge—
sicht, sondern Maria, des Inspectors liebliche Nichte selbst,
erschien und stellte freundlich grüßend den Morgentrank auf
den roh gearbeiteten schweren Tisch von Eichenholz, der außer
einem desgleichen Schemel, das ganze Mobilar des fürchter—
lichen Raumes ausmachte. Friedrich blickte verwundert und
überrascht auf; ehe er aber durch einige Worte seinem freu—
digen Erstaunen Ausdruck verleihen konnte, legte Maria,
von dem an der Thüre wachenden Cerberus unbemerkt, zum
Zeichen des Schweigens ihre kleine zarte Hand an die Lippen
und verschwand, lächelnd einen bedeutungsvollen Blick auf
den Gefangenen werfend, durch die Thüre, welche alsbald
wieder von dem Aufseher sicher und sorgsam verriegelt und
verschlossen wurde.
Sinnend stand Friedrich und blickte noch immer auf die
Thüre, durch welche die holde Erscheinung verschwunden
war. „Das war auch einer jener rasch entschwundenen Licht—
strahlen, welche mir heute in der Nacht im Traum er—
schienen“, sagte er schmerzlich lächelnd vor sich hin, dann
schickte er sich an, den Kaffee einzuschenken. So häaͤtte dieser
ihm noch nie entgegengeduftet und mit sichtbarem Behagen
schlürfte er den wuͤrzigen Morgentrank. Er griff nach einem
unbelegten Brödchen und mechanisch wollte er es brechen,
doch dasselbe fiel sofort in zwei Theile und zeigte seinem
erstaunten Blicke ein Papier, das zierlich gefaltet die Einlage
bildete. Sich das geheimnißvolle Zeichen der schönen Tochter
des Inspectors jetzt deutend, griff er rasch nach dem Papier
und überflog die Schriftzüge.“ Wie von einer unfichtbaren