Full text : Feierabend-Stunden

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wie eine Purpurröthe sich über das Antlitz der Freundin
ergoß, lenkte sie schnell begütigend ein und sagte: „Ach! ich
meinte nur so, denn — er ist so gut und treu und — er
darf ja auch Dir als künftigen Base nicht fremd bleiben!“
Dabei lachte das heitere Mädchen, daß es laut in den öden
Räumen des alten Schlosses widerhallte.
„Auch ich halte Deinen Geliebten für einen edlen Menschen,
der keinen Mißbrauch von dem Geheimniß machen würde;
doch bitte ich Dich, liebe Maria, ihm bei Mittheilung des—
selben vorläufig noch Namen und Aufenthaltsort meines
Friedrichs zu verschweigen.“
„Wenn Du das für gut findest, warum denn nicht“,
stimmte Maria bei, „das Weitere wird sich schon von selbst
finden.“ Also bis morgen frühe, Dorothea und der Goit
der Liebe, dem ich von ganzem Herzen vertraue, der wird
über Dich und mich und Alle wachen, die wir lieben.“
Die beiden Mädchen zogen sich in ihre Schlafzimmer
zurück und in diesem Theile des Schlosses war es nun eben—
falls dunkel und stille wie in einem Grab.

X.
Um dieselbe Zeit, wo Dorothea der Freundin das Geheim—
niß ihrer Liebe entdeckte und als Zweck ihrer Hierherkunft
den Versuch zu erkennen gab: Friedrich Bartholdy zu sehen
und womöglich zu sprechen, saß dieser in der finsteren Zelle
immer noch angekleidet auf dem Rande seines ärmlichen
Lagers und blickte gedankenvoll in die freundliche sternenhelle
Mondnacht, deren Pracht ihm jedoch nur äußerst spärlich
durch das kleine, dicht mit Eisenstäben durchzogene Fenster
zugemessen wurde, welches sich fast nahe an der Decke
des, Kerkers befand. Das Haupt auf die Rechte gestützt,
blickte er in das Licht der wenigen Sterne, die durch den
beschränkten Raum sichtbar wurden und kamen und schwanden
auf der ewigen Bahn im unendlichen Welienall. Allmählich
hob sich des Gefangenen Geist weg, weit weg von dieser
Erde und all ihrem Elend und Jammer; die Zeugen der
            
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