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Schweigend, mit feuchtem Blicke reichte Dorothea dem Jüng—
ling die Hand. Maria, die glückliche Maria jedoch warf sich
an der Freundin Brust, deren Wehmuthsthränen sich mit
ihren Thränen des Glückes einer ersten und wahren Liebe
mischten.“
Lange saßen die drei jungen Leute plaudernd an dem
trauten Plätzchen. Im Glanze der untergehenden Sonne
wurden die Schatten länger und dunkler; durch die Kronen
der Kastanien rauschte leise der Abendwind, in den blühen—
den Fliederbüschen aber sang die Nachtigall ihr Klagelied.
Diese beseeligende Ruhe, dieser tiefe Frieden ringsumher,
war so recht geeignet, die Herzen zu erschließen und noch
ehe der glühende Feuerball im Westen vollständig gesunken,
waren Kummer und Leid, Wünschen, Glauben, Lieben und
Hoffen der drei jugendlichen Herzen in einander geflossen
wie ein geistiger Strom, auf dem das Schifflein ihres Glückes
dahinzog. Hand in Hand traten sie den Rückweg zu der
übrigen Gesellschaft an, wo man indessen in eine so lebhafte
Unterhaltung vertieft war, daß man die längere Abwesenheit
der jungen Leute kaum bemerkt hatte.
Flemming betheiligte sich bald auch an dem Gespräch der
Männer, während Maria und Dorothea sich mit den beiden
Frauen unterhielten. Dorothea, die noch kurz vorher so
gedrückt, so niedergeschlagen und verzagt war, schien wie
umgewandelt; sie hatte sich selbst wieder gewonnen, seitdem
sie ihren Schmerz in die Brust der neugefundenen Freundin
ausgeschüttet hatte.
„Hoffe, hoffe, du verzagendes Herz!“
Mit diesen Worten hatte Maria heute am Morgen den
Schlag des Finken gedeutet, und am Abend fühlte Dorothea,
daß sie Recht hatte: Hoffnung und Vertrauen waren wieder
bei ihr eingezogen; sie hatte einen Entschluß gefaßt, einen
edlen Entschluß. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt, und
ein einziger Augenblick ist geeignet, alle unsere Pläne und
die kühnsten Entwürfe über den Haufen zu stürzen.
Schon flimmerrten die ersten Sterne am tiefblauen Himmels—
bogen und noch immer saßen unsere Bekannten im traulichen
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