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VIII.
Unter ernsten und heiteren Gesprächen hatte das Mittags—
mahl in der Familie Siegfried sein Ende genommen und es
that dem kummervollen Herzen Doras wohl, von allen Seiten
die aufrichtigsten Beweise von Liebe und Wohlwollen sich
entgegengebracht zu sehen; namentlich war es Maria, zu der
sie sich immer mehr und mehr hingezogen fühlte. Ein heller
Verstand, Mitgefühl für fremdes Leid und ein offener heiterer
Sinn gaben in Allem, was sie sprach, den ungetrübten
Spiegel einer edlen Seele wider, nicht, ohne daß dabei sich
eine vollkommene Selbstständigkeit ihres Characters geltend
machte. Als eben der Kaffee servirt wurde, klopfte es an
und Herr v. Drach trat, freundlich die Gesellschaft begrüßend
herein. Die junge fremde Dame bemerkend, hatte er nicht
genug Entschuldigungen, als Störenfried so unverhofft ein—
gedrungen zu sein, doch gelang es bald der Frau des Hauses
und ihrer liebenswürdigen Nichte Maria, den alten Herrn
zu beruhigen und zu veranlassen, daß er an der kleinen
Gesellschaft vergnügt Theil nahm, nachdem ihm Dora in
förmlichster Weise vorgestellt worden war.
„Ih mußte ja kommen“, hub Herr v. Drach an, als er
neben dem alten Siegfried Platz genommen hatte, „um Ihnen
eine ganz neue und gewiß unerwartete Mittheilung zu machen:
denn ich bin vom ersten des kommenden Monats als Saliuen—
Ober-Inspector nach N. versetzt worden.“ Er gab das
betreffende amtliche Schreiben dem Inspector zu lesen.
Dieser schien ob dieser Nachricht nicht sehr erfreut und
das Schriftstück langsam zusammenfaltend und zurückreichend
sprach er gedehnt: „Da wird des alten Siegfrieds Bleiben
auch nicht mehr lang auf ** sein.“
„Sie können Recht haben“, entgegnete Herr v. Drach;
„es scheint als solle hier ein strammeres Regiment einge—
führt werden, obgleich wir uns in keiner Weise irgendwelche
Säumigkeit haben zu Schulden kommen lassen!“
„Gewiß nicht!“ bekräftigte Siegfried.
„Und doch scheint es so, daß man höhern Ortes dieser
Meinung ist. Ueberhaupt ist es ja Niemanden mehr Recht