Full text : Feierabend-Stunden

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diese und jene Fragen nach Bekannten und Verwandten
beantwortet hatten, mußte selbstverständlich auch der Gegen—
wart Rechnung getragen werden.
„Glaube mir nur, Dora“, — versicherte im Laufe der
Unterhaltung Maria, „es ist auf *x nicht so langweilig
und unangenehm, wie man auf den ersten Augenblick denken
mag; es lebt sich hier ganz gemüthlich, wenn man es ver—
steht, dem Leben die heitere Seite abzugewinnen.“
„Gilt dies auch für die Staatsgefangenen, Marie?“ frug
Dora wehmüthig dazwischen.
„Die Gefangenen?“ frug Maria zurück, der, wie es
schien, diese Frage der Freundin, unerwartet kam. „Nun
ja, auch deren Schicksal ist nicht so schlimm, als es den
Schein hat. Es fehlt denselben Nichts; sie haben Alles,
was zum Leben nothwendig ist, wenn —“
„Wenn sie geistige und leibliche Freiheit für nichts achten
sowie das Bewußtsein, ein Opfer fürstlicher Gewalt und
politischer Furcht zu sein.“
„Dora, Du meinst wohl damit die politischen Verbrecher?“
frug erstaunt aufblickend die Freundin.
„Welche denn sonst?“
„Ach, ja diese? Glaubst Du denn wirklich, daß darunter
ein Unschuldiger' sein könnte?“
„Ja, das glaube ich“, erwiderte Dora lebhaft; „ich bin
sogar“ — sie wollte noch näher auf das Thema eingehen,
besann sich aber noch rechtzeitig eines Besseren. Sie schwieg
plötzlich, aber eine tiefe Wehmuth drückte sich in ihren edlen
Zügen aus, und zwar so, daß es der sie aufmerksam betrach—
tenden Freundin auffallen mußte.
„Liebe Dora“, begütigte Marie theilnehmend, „lassen wir
lieber ein Gespräch fallen, das Dich zu verstimmen scheint.
Heute Nachmittag werde ich Dir einen hier Inhaftirten vor—
zustellen Gelegenheit haben, der Dir die Ueberzeugung bei—
bringen wird, daß es auf * doch nicht so schlimm aussieht,
wie es in der That im ganzen Fürstenthum verschrieen ist.“
„Einen Gefangenen wirst Du mir verstellen?“ frug Dora
erstaunt; „wie kann denn das nur möglich sein?“
            
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